Portugal Grand Prix 2021/2022 Round 1 (II)

Der zweite Wettfahrttag fing schonmal gut gelaunt an und unser Gekicher über die Botschaft auf unserem Baum hielt noch lange an, nachdem wir rausgefahren waren. Die Bedingunen waren ähnlich wie am ersten Tag.

Leider schafften wir es nicht gleich im ersten Rennen, unseren guten Start abzuhaken – eine unserer Trapezverstellungen hatte sich aus der Klemme gelöst – aber wir schafften es durch eine schnelle gute Wende zügig eine freie Lane zu finden und auf dem Streckbug Richtung Luvtonne zu fahren. Irgendwann konnten wir sogar abkassieren, kreuzten einmal das Feld und rundeten die Luvtonne als erste mit einem riesigen Abstand zum zweiten! Wahnsinn, was so ein freier Kopf bewirken kann, nicht wahr? Auf der zweiten Kreuz ließen die Schere zum zweitplatzierten Team dann leider deutlich aufgehen und fielen dadurch zurück. Auf dem Downwind wurde es dann nochmal etwas hektisch und durch ein paar Halsen zu viel beendeten wir das Rennen „nur“ noch auf dem 6. Platz. Trotzdem ein gutes Rennen!

Im zweiten Rennen konnten wir hinter das Ziel „Mind. ein guter Start“ dann auch ein Häkchen setzen. Und dank unserer lustigen Botschaft auf dem Baum und einem ironischen Kommentar meinerseits behielten wir auch im zweiten Rennen den Fokus. Mit gutem Speed und guter Taktik beendeten wir das Rennen sogar auf dem zweiten Platz!

Im Dritten Rennen war der Start so la la – wir schafften es nach dem Losfahren einfach nicht, das Boot ordentlich beschleunigen zu lassen, ohne zu viel Meter zum Boot nach Lee zu verlieren. Danach fanden wir einfach keine freie Lane auf der Kreuz und mit abnehmenden Wind, aber gleichbleibend kabbeliger Welle fühlte sich das Boot an als würde es ständig in der Welle feststecken – ein wirklich ekliges Gefühl. Aber zum Glück sind die Rennen im Fx nur 25 Minuten lang und so war die Quälerei dann auch schnell wieder vorbei.

Für den dritten Wettfahrttag waren bis zu 25kts in Böen vorhergesagt. Huiuiui… Aber als wir morgens im Hafen ankamen, war davon noch nichts zu spüren – schlappe 6-7kts, mehr nicht. Trotzdem ging unser Coach mit uns einmal durch, welche anderen Ziele wir für die Rennen haben würden, sollte doch noch so viel Wind kommen: Nicht kentern und nicht verletzen.

Im ersten Rennen des Tages waren die Bedingungen ähnlich wie die ersten beiden Tage. Wir führten wieder an der Luvtonne, dann fehlte es uns wieder etwas an Konstanz und Sicherheit auf dem Downwind, sodass wir einige Boote verloren, aber wir beendeten das Rennen trotzdem noch auf dem 6. Platz.

In der Pause zwischen dem ersten und zweiten Rennen kam dann der Druck…

Morgen geht’s weiter!

English Version

The second day of racing started in a good mood and our giggles about the message on our boom continued long after we went out. The conditions were similar to the first day. Unfortunately we didn’t manage to tickck off our good start right away in the first race – one of our trapeze adjustments had come out of the clamp – but we managed to find a free lane quickly with a quick good tack and were able to sail on the long tack towards the windward mark. At some point we were even able to cross the fleet and rounded the windward mark in first with a huge gap to the second! Amazing what a clear head can do, isn’t it? On the second upwind though unfortunately, we let the gap to the second team open up and lost one or two places. On the downwind it got a bit hectic again and due to a few too many gybes we finished the race „only“ on 6th place. Nevertheless, a good race!

In the second race we could put a tick off our goal „at least one good start“. And thanks to our funny message on the tree and an ironic comment from my side, we kept our focus. With good speed and good tactics we even finished the race in second place!

In the third race the start was so so – we just didn’t manage to let the boat accelerate properly after the start without losing too many meters to the boat to leeward. After that we just couldn’t find a clear lane and with decreasing wind but still choppy waves the boat felt really stuck – a nasty feeling. But luckily the races in the Fx are only 25 minutes long and so the torment was over soon.

For the third day of racing up to 25kts in gusts were predicted. But when we arrived at the harbour in the morning, there was no sign of it – only 6-7kts, nothing more. Nevertheless, our coach went through with us what other goals we would have for the races, should more wind come: Don’t capsize and don’t get hurt.

In the first race of the day, the conditions were similar to the first two days. We led again at the windward mark, then again lacked some consistency and confidence on the downwind, so we lost some places, but we still finished the race in 6th place.

In the break between the first and second race, the pressure came…

Hear more about it tomorrow.

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Portugal Grand Prix 2021/2022 Round 1 (I)

Vilamoura Sailing hat 2018 angefangen, im großen Stil mit zwei Regatten und guten Trainingsbedingungen, Segler in seine Marina zu locken. Mittlerweile ist der Hype um den kleinen Urlaubsort an der Algarve etwas abgeflaut – vor allem, da immer mehr Segler seit der ersten Coronawelle ihr Wintertraining auf den Kanaren verbringen – aber die Organisatoren bei Vilamoura Sailing sind nach wie vor hochmotiviert und heißen jeden Segler herzlich willkommen und das merkt man auch.

Wir haben uns dieses Jahr für Vilamoura als unsere Winterbase entschieden, nachdem es in Valencia nun gar keine anderen FX zum Trainieren gab, und als Neulinge in der Klasse schließt man sich was die Trainingsorte angeht, erstmal der Masse an, um dann Leute kennenzulernen. Dann schließt man sich erst Trainingsgruppen an und versucht später eine gute Trainingspartnerschaft mit einem anderen Team zu bekommen.

Die erste der beiden Regatten ist immer im Dezember, kurz vor Weihnachten und dauert 5 Tage, von denen an 4 gesegelt wird. Für uns würde es die erste richtige Regatta als Team sein. Vor der Regatta haben wir uns 5 Tage vorbereitet und haben versucht, alle Punkte, die wir mit JP in Valencia noch nicht erledigen konnten, die aber für die erste Regatta unumgänglich waren, abzuarbeiten. Das bedeutete, dass wir die Zeit vor allem dafür genutzt haben, um gegen die zahlreichen anderen FX Teams Trainingsrennen zu fahren. Dadurch konnten wir uns schonmal auf die Regattasituation einstellen und bekamen einen Eindruck davon, wie wir im Vergleich zu den anderen stehen. Vor und nach den Rennen arbeiteten wir jeweils gezielt an den Punkten, die uns dann noch fehlten, um in der Regatta dann konstant gute Performance in den Rennen zeigen zu können.

Es waren wieder lange Tage auf dem Wasser, aber sie haben sich definitiv gelohnt.

Am ersten Regattatag hatten wir Mittelwind mit Kabbelwelle. Mit einem 9. Platz starteten wir gar nicht mal so schlecht in die Wettfahrten, aber in Rennen 2 und 3 fehlte uns die Konstanz und Selbstbeherrschung, um fokussiert durch den Tag zu kommen. Auffällig waren auch die Starts, da waren wir immer etwas zu spät dran. Wir wussten, dass wir es besser machen können, aber es war auch der erste Tag unserer allerersten gemeinsamen Regatta und für Nadi die ersten Wettfahrten überhaupt im 49er Fx, also erinnerte uns unser Coach daran, dass wir nicht gleich alles perfekt können müssen. Wir wollten uns aber natürlich am nächsten Tag verbessern und legten einige Ziele fest, unter Anderem: Mindestens einen guten Start! Fokus darauf, das Boot immer schnell zu machen. Und lockere, entspannte Stimmung an Bord, auch falls es nicht so laufen sollte wie wir es von uns erwarteten. Dafür klebten wir ein Tape mit einer ganz besonderen Botschaft (die ich hier nicht zitieren möchte 😉) auf unseren Baum.

Nach einer intensiven Nachbesprechung gönnten wir uns zum Abendessen Sushi. Es stellte sich heraus, dass Nadi schon ein paar Tage etwas auf dem Herzen gehabt hatte und nun war endlich Ruhe und Zeit, dass sie es ansprechen mochte. Es stellte sich heraus, dass wir beide das gleiche Gefühl hatten und ziemlich schnell kamen wir auf den gleichen Schluss und entschieden, die ganze Sache noch an dem Abend zu klären, was wir dann auch taten. Dadurch konnte Nadi endlich wieder gut schlafen und hatte für den nächsten Tag wieder den Kopf frei, um voll zu performen. Und auch ich merkte, wie ich mich wieder besser konzentrieren konnte, obwohl mich das Gefühl nicht so sehr beschäftigt hatte, ich es tatsächlich erst wirklich bemerkt hatte, als Nadi anfing darüber zu sprechen. Aber diese Geschichte hat mal wieder gezeigt, wie stark wir zusammen im Team sind und wie wichtig es ist, dass wir unsere Stärke „Offene Kommunikation“ so oft wie möglich einsetzen.

Morgen geht’s weiter!

English Version

In 2018 Vilamoura Sailing started to attract sailors to its marina on a large scale with two regattas and good training conditions. Now the hype around the small holiday town at the Algarve has died down a bit – especially since more and more sailors have been spending their winter training in the Canaries since the first Corona wave – but the organizers at Vilamoura Sailing are still highly motivated and welcome every sailor warmly.

We chose Vilamoura as our winter base this year after there were no other FX to train with in Valencia, and as newcomers to the class, you first join the crowd in terms of training locations and then try to get to know people. You first join training groups and later try to get a good training partnership with another team.

The first of the two regattas is always in December, just before Christmas and lasts 5 days, 4 of which are race days. For us, it would be the first real regatta as a team. Before the regatta, we spent 5 days preparing, trying to work through all the things we hadn’t been able to work on during our last camp Valencia, but which are essential for the first regatta. This meant that we mainly used the time to do training races against the numerous other FX teams. This gave us a chance to adjust to the regatta situation and get an idea of how we compare to the others. Before and after the races we worked specifically on the points that we were still missing, in order to be able to show consistently good performance in the races.

Like in Valencia we had again long days on the water, but they were definitely worth it.

On the first day of the regatta we had medium wind with chop. With a 9th place we started into racing not bad at all, but in race 2 and 3 we lacked the consistency and self-control to get through the day focused. What was also noticeable, we were always a bit late at the starts. We knew we could do better, but it was also the first day of our very first regatta together and for Nadi the first races ever in the 49er Fx, so our coach reminded us that we should not be too hard on ourselves. But of course we wanted to improve the next day and set some goals: At least one good start! Focus on making the boat fast at all times. And a relaxed atmosphere on board, even if things didn’t go as we expected. To reinforce the latter, we stuck a tape on our boom with a very special message written on it (which I do not want to quote here 😉).

After an intense debrief, we treated ourselves to sushi for dinner. It turned out that Nadi had had something on her mind for a few days and now it was finally quiet enough and time for her to address it. It turned out that we both had the same feeling regarding this issue and pretty quickly we came to the same conclusion and decided to settle the whole thing that evening right away, which we did. So Nadi could finally sleep well again and had her head free for the next day to perform fully. I also noticed how I was able to concentrate better again, although the feeling hadn’t bothered me that much, in fact I hadn’t really noticed it until Nadi started talking about it. But this story showed once again how strong we are together as a team and how important it is that we use our strength „Open Communication“ as often as possible.

Hear more about it tomorrow!

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

Tough sein, erwachsen sein, verletzlich sein

Olympisches Segeln ist hart. Es ist ein Hochleistungssport und jeder arbeitet viel und hart. Um an der Spitze zu stehen, muss man noch mehr und noch härter arbeiten. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Athleten irgendwann mal unter diesem Druck zusammenbrechen. Irgendwann hat man einfach keine Energie mehr, um seine kämpferische Einstellung beizubehalten, weiterzumachen, wenn es schwierig wird, seinen Segelpartner zu unterstützen und immer sein Bestes zu geben.

Heute ist mir das passiert. Es war der letzte Tag des Vilamoura Grand Prix, einer viertägigen Regatta. 12 Rennen, von denen 6 in Überlebensbedingungen stattfanden, bei denen ständig irgendwelche Boote kenterten – sogar die Teams, die die Regatta unter den Top 3 beendeten.

Nach der zweiten Wettfahrt hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht mehr aushalten konnte – meine Arme, Schultern und mein Rücken taten weh, mein Verstand sagte mir, dass ich nicht meine Erwartungen erfüllte, und ich fühlte mich genervt von meiner Segelpartnerin, weil sie immer sagte: „Ich kann nicht!“, wenn ich sie nach den Halsen bat, schneller ins Trapez zu kommen – obwohl ich immer noch versuchte, alle meine Sachen hinzukriegen. Natürlich wusste ich tief in meinem Inneren, dass sie immer ihr Bestes gibt und genauso viel Grit hat wie ich – wenn nicht noch mehr – und immer die besten Absichten hat, wenn sie mir auf dem Wasser Feedback gibt. Und tief in meinem Innern verstand ich, dass sie mir nur sagen wollte, dass sie sich bei den verrückten Bedingungen, die wir hatten, nicht sicher fühlte, so schnell ins Trapez zu gehen. Was ja auch verständlich ist!

Aber in diesem Moment war all das Vertrauen, das ich normalerweise in sie habe, tief unter allem, was vor sich ging, begraben: Der Respekt vor den Bedingungen und dem 49er Fx, dieser wilden Bestie und der Erschöpfung und Müdigkeit, sowohl körperlich als auch mental. Dennoch gelang es mir, meine Emotionen weitestgehend für mich zu behalten, tief zu wühlen, um etwas von dem Vertrauen herauszulassen und bis zum letzten Rennen zu pushen.

Aber danach ging einfach nichts mehr. Wir haben uns nicht gestritten, aber wir hatten eine ziemlich intensive emotionale Diskussion, die damit endete, dass sie mir sagte, wenn ich ihr Verhalten auf dem Wasser nicht ertragen könne, müsse ich mir jemand anderen suchen. Whoa…. Zuerst dachte ich: „Also ich bin nicht diejenige, die vor 6 Monaten eine Vorschoterin gesucht hat…“ Ich hatte mein Segelleben voll geplant mit Projekten auf unterschiedlichen Kielbooten. Und tatsächlich hatte ich in den letzten Monaten schon noch ein wenig den Möglichkeiten nachgetrauert, die ich im Offshore-Segeln nicht mehr würde wahrnehmen können, nachdem ich mich zu einer Olympiakampagne in einem High Performance Skiff verpflichtet hatte.

Aber ziemlich schnell spürte ich nur noch Stolz. Ich bin so stolz darauf, wie sehr sie und ich uns in den letzten 5 Monaten persönlich weiterentwickelt haben. Als ich sie im Juni kennenlernte, hätte sie ihrer Vorschoterin nie gesagt, dass sie sich jemand anderen suchen soll. Sie hätte einfach alles hingenommen, was so passiert. Jetzt ist sie stärker als je zuvor und spricht über ihre Gefühle, und das macht uns als Team noch stärker. Mir ist auch klar geworden, dass wir auf unserer Reise und in unserer Beziehung als Segelpartner schon so weit gekommen sind, dass ich selbst jetzt, wo ich müde und erschöpft im Bootspark stehe und weine, mit riesigen Bauchschmerzen von der ganzen Anspannung auf dem Wasser und dem mentalen Wahnsinn, der vor sich geht, nicht aufgeben möchte.

Ja, olympisches Segeln ist hart. Nicht nur auf dem Wasser. Wir müssen ein Budget zusammenbekommen, um die Trainer, unsere und ihre Unterkünfte, Transporte, Ausrüstung und vieles mehr bezahlen zu können. Ich kann euch sagen, dass es momentan nicht einfach ist, Sponsoren zu finden. Und das Geld zu finden, um die Trainer zu bezahlen, von denen wir wissen, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten müssen, um die Besten zu werden, war in den letzten Monaten unsere größte Sorge und ist es immer noch. Aber auf dem Wasser müssen wir all das vergessen, und uns einfach nur konzentrieren und Leistung bringen. Und genau das haben wir getan.

Also verzichte ich gerne auf ein paar Offshore-Regatten und nehme dieses harte Leben in Kauf, innerhalb von 3 Jahren die Beste zu werden, auch wenn man sagt, dass dies normalerweise mindestens 6 Jahre dauert. Zu hören, wie stolz unser Trainer auf unsere Entwicklung in dieser Woche ist und wie andere Trainer zu ihm kamen und ihm zu unserer Leistung gratulierten. Das Glück in Nadis Augen zu sehen und mein eigenes Glück zu spüren, wenn wir die Anspannung eines schwierigen Tages abschütteln oder wenn wir nach einem tollen Tag vom Wasser zurückkommen. Wenn ich sehe, welche Fortschritte wir nach nur 5 Monaten in dieser Kampagne bereits gemacht haben, nachdem wir praktisch bei null angefangen haben. Diese Momente sind es wert, dass wir schwierige Phasen wieder und wieder durchstehen. Dank der Arbeit, die wir mit unserem Mentaltrainer Markus Bauchrowitz schon geleistet haben, ist es mir sogar egal, ob andere Segler mich im Bootspark weinen sehen. Ich habe auf dem Wasser mein Bestes gegeben. Ich war erwachsen und tough bis zur letzten Minute der letzten Wettfahrt. Und wenn ich nach der Regatta einen emotionalen Zusammenbruch habe, zeigt das nur, wie viel Leidenschaft und wie viel von mir selbst ich in diesen Sport stecke, und ja, das kann gerne jeder wissen.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

English Version

Being tough, being mature, being vulnerable

Olympic Sailing is tough. It‘s a high performance environment and everybody works a lot. To be at the top you have to work even more and even harder. So it’s no surprise that at some point athletes break down under that pressure. At some point you just don’t have any energy left to keep up your gritty attitude of keeping going when the going gets tough, supporting your teammate and always giving it your best shot.

Today this happened to me. It was the last day of the Vilamoura Grand Prix, a four day regatta. 12 races of which 6 were held in survival conditions with boats capsizing everywhere – even the teams that finished the regatta in the Top 3.

After the second race toady I started to feel like I could not take it anymore – my arms, shoulders and back were hurting, my mind was telling me how I wasn’t performing to my expectations and I got really pissed at my teammate for saying “I cannot!” when I asked her to come out on the trapeze quicker after the gybes although I was still trying to make everything work. Of course, I knew deep down inside me that she always gives everything her best shot and is always just as gritty as me – if not grittier – and always has the best intentions when she’s giving me feedback on the water. And deep down inside me I understood that she just wanted to tell me that she was not feeling safe to go there with the crazy conditions we had.

But in that moment all that trust I normally have in her was buried deep below everything that was going on: The respect for the conditions and the 49er Fx, this wild beast and the exhaustion and tiredness both physically and mentally. Still I was able to keep my emotions inside me, dig deep to allow some of that trust coming out and kept pushing until the last race.

But after that I just simply fell apart. We didn’t start arguing but had quite an intense emotional discussion which ended with her telling me that if I cannot put up with her demeanour on the water I have to find somebody else. Whoa…. At first I thought, “well it’s not me who was searching for a Crew 6 months ago…” I had my sailing life sorted out with big boat projects. And actually those last months I had still been grieving a little bit about the opportunities I would not be able to pursue in Offshore sailing now that I had committed myself to an Olympic Campaign in a high performance dinghy.

But pretty quickly I felt only pride. I feel so proud how much she and I have developed our personalities in the last 5 months. When I met her in June she would have never told her crew that she should go and find someone else. She would have just put up with whatever was happening. Now she is stronger than ever and speaks up about her feelings and that makes us even stronger as a team. I also realized that we have already come this far in our journey and our sailing partner relationship that now, even standing there tired and exhausted, crying in the boat park with a huge belly ache from all the tension on the water and the mental madness that was going on, I don’t want to give this up. Yes, Olympic Sailing is tough. Not just on the water. We have to put together a budget to be able to pay coaches, our and their accommodation, transports, equipment and more. I can tell you it’s not easy to find sponsors these days and finding the money to pay the coaches we know we have to work with to become the best was our number 1 worry over the last months and still is. But on the water we have to forget about all that and simply focus and perform. And we did exactly that.

So I’ll happily sacrifice some Offshore regattas and put up with the tough life of becoming the best within 3 years even tough they say this usually takes at least 6 years. Hearing our coach talk about how proud he is of our development this week and how other coaches came to him and congratulated him for our performance. Seeing the happiness in Nadis eyes And feeling my own happiness when we shake off the tension from a difficult day or when we come in after a great day on the water. Realizing the progress we have already made only 5 months into this campaign, basically starting from zero. These rewards make it worth going through these tough phases again and again and again. Actually, thanks to the work we did with our mental coach Markus Bauchrowitz, I don’t even care about anymore if other sailors see me crying in the boatpark. I did my best on the water. I was mature and tough until the last minute of the last race and if I have an emotional breakdown after the regatta has finished, that just shows how much passion and how much of myself I put into this sport and hell yeah, everyone can know that!

Was es braucht, um Olympisches Gold zu gewinnen: 1. GRIT

In einer Olympiakampagne geht es um so viel mehr als nur die Segelinhalte. Auf meinem Weg zu den Olympischen Spielen 2024 werde ich mich auf einige persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten verlassen müssen. Viele davon haben Nadi und ich bereits, einige müssen wir noch entwickeln. Wenn sie in bestimmten Situationen während unserer Kampagne auftauchen, werde ich diese Gelegenheiten nutzen, um eine kleine Vorstellung über sie zu schreiben.

Heute beginne ich mit GRIT.

„Was ist Grit?“, wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Grit ist nicht nur ein norddeutscher Vorname, sondern kommt aus dem Englischen „to grit your teeth“. Wenn du Grit hast (so wie Nadi und ich 😉), dann machst du weiter, auch wenn es schwierig wird, stehst nach Rückschlägen immer wieder auf und gehst die Extrameile, um dein Ziel zu erreichen.

Unser Coach sagt, dass ohne GRIT alle anderen Talente und Fähigkeiten (im Segeln) nichts wert sind. Das war also eines der ersten Dinge, auf die er uns während unseres ersten gemeinsamen Trainingslagers getestet hat. Wir haben den Test bestanden und er ist jetzt überzeugt, dass wir unsere Ziele tatsächlich erreichen können und will deshalb langfristig mit uns arbeiten!

Meine Laser Radial Trainerin hatte mir eigentlich schon oft gesagt, dass ich sehr viel GRIT habe. Aber mir war nie bewusst, was für eine großartige Stärke das ist. Heute bin ich unglaublich dankbar dafür, dass ich GRIT zu meinen Stärken zählen kann, denn das hat mich dazu gebracht, beim Segeln zu bleiben, auch wenn es schwer war oder wenn mein Weg mal nicht klar war.

Nun, wird man mit Grit geboren? Oder kann man GRIT lernen? Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall braucht es Leidenschaft und/oder den großen Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wenn du mehr über dieses Thema erfahren möchtest, empfehle ich dir, GRIT von Angela Duckworth zu lesen oder dir ihren Ted Talk oder ihr Ted Talk Interview anzuhören.

Fällt dir jetzt eine Situation ein, in der du kürzlich deinen Grit gezeigt hast? Erzähl‘ mir gerne in den Kommentaren davon!

What it takes to win Olympic Gold: 1. GRIT

An Olympic Campaign is about so much more than sailing. On my journey to the Olympics 2024 I will have to rely on some certain personal qualities and skills. A lot of them Nadi and I already possess, some we still have to develop. As they pop up in certain situations during our campaign I will take these occasions as opportunities to write a little introduction on them.

Today we will start with GRIT.

„What is Grit?“, you might be asking yourself now. Grit is not only a North German first name, but comes from the English „to grit your teeth“. If you have grit (like Nadi and me 😉), you keep going even when things get tough, you always stand up again after setbacks and go the extra mile to reach your goal.

Our coach says without GRIT all your other sailing talent and skills are worth nothing. So this was one of the first things he tested us on during our first camp together. We passed the test and he is now convinced that we can indeed reach our goals and therefore wants to work with us longterm!

My Laser Radial coach actually always told me that I had a lot of GRIT. But I never realised what an awesome strength it is. Today I am very thankful for being a gritty person because it made me stick with sailing even when it was hard or when my path wasn’t clear.

Now, are people born with grit? Or can you learn to be gritty? I actually don’t know. For sure it takes passion and/or a huge desire to achieve a certain goal. If you want to dive more into this topic I would strongly recommend to read GRIT by Angela Duckworth or listen to her Ted Talk or her Ted Talk Interview.

Thinking of a recent situation where you showed your GRIT now? Tell me about it in the comments!

Ich muss erstmal gar nix!

Wir haben jetzt 10 Tage am Stück im Schnitt 4h pro Tag trainiert. 4 Tage wollen wir noch weiter durchziehen. 4h auf dem Wasser gehen oft vorbei wie im Flug. Aber das heißt nicht, dass das Training nicht anstrengend ist – emotional, mental und physisch.

Im Moment fühle ich mich manchmal wie ein pubertierender Teenager mit Stimmungsschwankungen. Die meiste Zeit bin ich professionell, ruhig und fokussiert und habe ein positives Mindset. Aber ab und zu, meistens wenn ich müde werde und hungrig bin, kippt meine Stimmung, mein positives Mindset wäscht die nächste Welle weg und plötzlich fühlt sich alles überwältigend, anstrengend und einfach nur schlecht an. Ich habe das Gefühl, die ganze Welt ist gegen mich.

Und dann trage ich nochmal richtig dick auf.

Denn ich weiß ja, dass dieses negative Gefühls- und Gedankenkarussel nicht gut ist für meine Performance. Also MUSS ich irgendwie einen Weg finden, damit umzugehen. Ich habe ja schließlich große Ziele.

Und dann verbringe ich die nächste Viertelstunde damit, verzweifelt mich selbst dazu zu bringen, das Gedankenkarussel zu stoppen.

STOP!

Ich muss erstmal gar nichts!

Auch wenn mein Ziel olympisches Gold ist. Auch wenn ich Profiseglerin werden will. Auch wenn ich ein Vorbild für andere sein möchte, die so einen Weg auch gehen möchten.

Ich darf mich auch mal kaputt fühlen. Ich darf auch mal genervt sein.
Ich darf auch mal einen emotionalen Ausbruch haben.
Negative Gefühle gehören auch dazu.

Verteufle dich nicht dafür sie zu haben.

Manchmal gibt es einfach nichts besseres, als Markus anzurufen und Klartext reden zu können. Und danach kann ich wieder mental mein Bestes geben. Und dann kann ich auch wieder solche Texte schreiben. 🙂

Markus sponsert uns mit seinem Coaching. Daher könnte man dies wohl als Werbung einstufen. Unabhängig von seiner Unterstützung würde ich sein Coaching aber trotzdem jederzeit weiterempfehlen.

English Version

I don’t have to do anything!

We are currently training in Valencia on the 49er Fx with a new coach and have now sailed 10 days in a row on average 4h per day. We want keep pushing for 4 more days. 4 hours on the water often fly by easily. But that doesn’t mean that the training isn’t exhausting – it is. Emotionally, mentally and physically. Right now, I sometimes feel like a pubescent teenager with mood swings. Most of the time I’m professional, calm, focused and have a positive mindset. But every now and then, usually when I get tired and hungry, my mood tips, my positive mindset is washed away by the next wave and suddenly everything feels overwhelming, exhausting and just plain bad. I feel like the whole world is against me.

And then it gets even better.

Because I know that this negative emotion and thought carousel is not good for my performance. So somehow I HAVE to find a way to deal with it. After all, I have big goals.

And then I spend the next fifteen minutes desperately trying to force myself to stop the mind carousel.

STOP!

I don’t have to do anything for now! Even if my goal is Olympic gold. Even if I aim to become a professional sailor. Even if I want to be a role model for others who also want to follow such a path.

I am allowed to feel broken sometimes. I am also allowed to be annoyed. I am also allowed to have an emotional outburst sometimes.

Negative feelings are part of it too. Don’t demonize yourself for having them.

Sometimes there’s just nothing better than calling my mental coach Markus and being able to talk straight. And after that I can mentally give my best again.

And then also, I can write texts like this again. 🙂

Markus is sponsoring us with his coaching. Therefore this could probably be categorised as advertising. Regardless of his support I would recommend his coaching to anybody anytime.

It’s okay to take a break.

Nur auf Englisch dieses Mal!

The past weeks I have been constantly sick. Nope, not Covid – I checked that. I caught a flu right after we celebrated our win at the Nations Trophy with Team Niramo.

Nevertheless I went straight into two days of training in Lake Garda, followed by our first two regatta days in the 49er Fx. The wind was not exactly light those days. Afterwards I actually had a couple of days off at home but to get there I travelled a total amount of 28 hours by car and train. I returned to lake Garda for another training camp still sniffing and coughing and recovering from that flu. We took that camp relatively easy but still sailed every day. I felt better every day and even got back into my physical training too.

After the camp we drove back to Munich from where I took my flight back to Palma to help get Niramo ready and deliver her to St. Tropez for the World Championship. As the navigator I felt quite a bit of pressure on myself as I was sort of responsible for the route and the timing. Since we were expecting some mistral that week (strong winds up to 35kts in the gulf of Lyon) and we didn’t want to expose the yacht to heavy weather just before the most important regatta od the season, our timing was crucial. In the end, with a little help from Max, Marcel and Sönke we managed to have a lovely delivery in glamour conditions (most of the way). We stopped in Badalona near Barcelona and avoided all winds above 17kts. Well, actually that first leg from Palma to Badalona was horrible – no wind and huge sea state which got me seasick for the first time in my life.

So I arrived in St. Tropez rather tired and worn out than super fit. But anyway I was looking forward to a great week of sailing with my favourite crew, lots of learning and was determined to bring on my navigator A-game every day. The week turned out to be a difficult one with super shifty and unsteady conditions but we worked well together as a team and I did learn heaps as I had never sailed in these shifty lake-like conditions as a navigator before.

To finish off the week and the season, Swan had organized a party for all the crews in a local bar/night club. With everyone having their green passes it was nearly like before Covid and felt super good. It also happened to be the night before my 22nd birthday. Being the social butterfly I am, I was happily chatting to loads of people from the different crews and made a lot of new friends. Bummer, I won’t see most of them again before March next year when the first Clubswan Event of 2022 will take place! We celebrated into my birthday, so it ended up being a short night. The next day was gonna be the last day of the event and the forecast wasn’t looking promising, so I guess it was okay to relax a bit and have a good night out after those busy weeks. It really was a lot of fun!

Actually the race committee managed to get one more race in the next day and the whole crew did an amazing job, keeping the concentration up, even with three start attempts (which we all nailed), finishing 3rd. Straight after the finish line we started dismantling all the race gear and putting Niramo back into delivery mode. Back at the dock the big packing up started but with 12 pairs of hands we were done quite quickly with everything. Then it was time to say goodbye. I am truly grateful having been given the opportunity to spend three regattas with Team Niramo and grow into the role of the navigator. The team really is very close and very special and I am looking forward to more of this!

The next day we all headed to Nice to catch our flights. I was going back to Munich and once again we were driving to Lake Garda. After a Monday of travelling we went straight back to business on Tuesday and started training with our coach Moritz Klingenberg.

Now this training camp is nearly over and I feel like time has been flying by very quickly. We have learned so much but also I am still fighting my running nose some mornings and am really tired and freezing when we come back from the water. I could really use some rest. To be honest, it’s about time I had a free day with sleeping in, pancakes for breakfast and doing nothing the rest of the day, except maybe a walk in the park and a dinner with my family.

Don’t get this wrong. I really don’t want to complain about my lifestyle. I love my life and I am thoroughly enjoying everyday and all the projects I am involved with. But it’s been quite full on the past weeks and I wanted to share these thoughts to show that it’s okay to feel tired and it’s okay to take a break. Especially when there is a lot to do. Most of my friends are just as busy as me. I guess that’s the society we live in.
To finish off my little update I am announcing that next week will be all for myself! I will spent some time with my family, I will see old friends and will make sure my body and mind get a proper rest so I can start the next training camp being 100% fit!

And maybe once I’ll get enough rest I will treat you to a more detailed report about the Clubswan World Championships. 😉

The Nations Trophy

Mein zweites Event in der Clubswan 50 war die Nations Trophy, wieder in Palma de Mallorca. Dieses Mal fühlte sich alles schon viel routinierter an: Ich kannte die Crew, den Yachtclub, in dem Niramo liegt, die Abläufe an Bord und meine Aufgaben. Eines war jedoch neu, wir würden mit einem anderen Taktiker als bei der Copa del Rey segeln.
Am ersten Tag zurück auf der Insel checkte ich den Computer und alle Displays und Instrumente, damit ich für unser Testsegeln am nächsten Tag bestmöglich vorbereitet war. Ansonsten gab es nicht viel zu tun, aber ich unterhielt mich mit einigen Seglern aus anderen Crews am Dock und knüpfte neue Kontakte, die sich später als sehr wichtig herausstellen würden. Aber dazu bald mehr!
Das Segeln am nächsten Tag war einfach nur schön. Wir hatten 10-12kts Seabreeze, Sonnenschein und etwas Welle. Da die Hälfte der Crew noch bei der Maxi WM in Porto Cervo war, und erst am Abend ankommen würde, konnten wir ohnehin nicht effektiv trainieren, testeten alle Systeme, Instrumente und ein paar Segel und genossen ansonsten einfach die Stunden auf dem Wasser. Solche Tage müssen auch mal sein.

Am ersten und zweiten offiziellen Trainingstag fehlte uns dann nur noch der Taktiker, und ohne Taktiker bzw. ohne einen Entscheidungsverantwortlichen ist es immer echt schwierig und chaotisch Starts und Rennen zu segeln. Also schlossen wir uns nicht den Trainingsrennen der Anderen an, sondern übten ein bisschen, das Boot aus langsamer Geschwindigkeit heraus auf Maximumspeed zu beschleunigen, machten ein paar Angleichschläge mit anderen Booten und perfektionierten unsere Wenden und Halsen. Dabei bekam ich auch die Gelegenheit, ein paar schöne Daten für die Kalibrierung des Wahren Windes zu sammeln und konnte mit meinen Resultaten aus der Auswertung dieser Daten gleich die Kalibrierung verbessern.
Abends hatte ich eine Verabredung mit Kerstin Zillmer vom Float Magazin und wir haben einen wirklich schönen Podcast aufgenommen. Danach gab es nur ein leichtes Abendessen, denn am nächsten Morgen würden wir uns alle offiziell wiegen lassen müssen. Und nachdem die gesamte Crew vorsichtshalber vorher schon einmal zum Test gewogen wurde, waren wir einige Kilos über dem maximalen Crewgewicht für die Clubswan 50. Also mussten alle über Nacht nochmal etwas abnehmen.

Am nächsten Morgen ging ich deswegen auch noch eine Runde joggen. Zum Frühstück gab es nur Kaffee und ein Glas Wasser – und den tagesaktuellen Wetterbericht. Es stand nicht nur das Wiegen, sondern auch der obligatorische Covid-19 Test an. Und um 12.00 liefen wir aus, um vor dem Practice Race um 14.00 noch ein paar Trainingsschläge zu fahren.
Die Zeit bis zum Auslaufen nutzte ich, um mich in Ruhe mit dem neuen Taktiker, Cameron, auszutauschen. Wenn man als Navigator mit einem neuen Taktiker arbeitet, sollte man vorher immer abklären, was derjenige hören will und wie man ihn am besten unterstützen kann. Denn von Taktiker zu Taktiker hat man immer mit leicht unterschiedlichen Arbeitsweisen zu tun. Camerons Ansätze waren tatsächlich auch etwas anders als die von Marc, unserem Taktiker bei der Copa del Rey. Und gerade als junge Navigatorin konnte ich aus diesem Gespräch wieder sehr viel mitnehmen und lernen.
Vor dem Practice Race gab es noch einen zusätzlichen Practice Start, den Cameron nutzte, um ein Gefühl für das Fleet und das Startverhalten der Klasse zu bekommen. Der tatsächliche Start zum Practice Race war dann ein Allgemeiner Rückruf, weil der Großteil des Fleets zum Zeitpunkt des Startsignals schon über der Linie war, aber da es trotzdem ein einigermaßen fairer Start war und wir ja „nur“ das Practice Race segelten, drehte keiner aus der Flotte um. Es war wettermäßig kein typischer Palma Tag. Der Wind war ein instabiler Gradient mit 12-16kts (und teilweise mehr) aus Ost. So hatten wir auf der ersten Startkreuz direkt einen großen Linksdreher und für den ersten Downwind und die zweite Kreuz eine Bahnänderung. Für mich als Navigator sind Bahnänderungen immer etwas stressig, weil ich den Kurs in meinem Computer dann natürlich auch anpassen muss und so eine richtig gute Technik hatte ich dafür noch nicht gefunden. Insgesamt arbeiteten wir aber als Crew sehr gut zusammen und konnten Camerons Game Plan gut umsetzen, sodass wir als zweite durchs Ziel fuhren.

Nach dem Zieldurchgang überraschte ich Cameron noch damit, dass ich, die „young lady“, mit der er die Woche arbeiten würde, mit 21 Jahren für einen Navigator wirklich noch sehr jung war. Solche Momente sind immer sehr beruhigend für mich, da ich dann merke, dass ich wirklich noch Zeit habe, all die unterschiedlichen Fähigkeiten, die man als Navigator abdecken muss, zu erlernen. Denn manchmal erscheint mir das wie eine Mammut-Aufgabe, wahrscheinlich könnte man mit allem, über das du als Navigator Bescheid wissen musst, ein komplettes Bachelor Studium füllen.
Umso dankbarer bin ich, gleich am Anfang meiner Karriere so viele aufgeschlossene Profi-Segler kennenzulernen.

Der erste Wettfahrttag würde tricky werden. Unser lokaler Wetterfrosch war sich selbst nicht so richtig sicher und so stellten wir uns gleich darauf ein, dass wir nicht pünktlich um 12 Uhr starten würden.
Tatsächlich drehte der Wind den ganzen Tag immer wieder um bis zu 90 Grad und fiel ständig unter 6kts (das minimale Windlimit für Clubswan 50 Regatten), sodass die Wettfahrtleitung uns schließlich wieder in den Hafen schickte, ohne dass wir einen einzigen Start versucht hätten.

Den zweiten Wettfahrttag werden wir wohl alle nicht vergessen, obwohl wir ihn gerne vergessen würden. Im Start des ersten Rennens hatten wir eine Kollision mit einem anderen Boot. Im Vergleich zu den anderen kamen wir noch glimpflich davon. Wir hatten Glück im Unglück, denn Niramo war nicht zu sehr beschädigt worden, und das andere Team bekam eine rote Flagge für den Vorfall, sodass wir zwar verspätet und geschockt, aber immerhin mit einer Chance das Rennen noch starten konnten. Trotz halb abgebrochenem Seezaun an Steuerbord, wodurch wir auf Backbordbug nicht voll auf der hohen Kante „hiken“ konnten, schafften wir es, das Rennen als 4. zu beenden. Puhhhh!

Kurz nach dem Zieleinlauf brach der südwestliche Wind zusammen und drehte nochmal 90 Grad nach rechts.

Nach 15-30min Warten etablierte sich nochmal eine leichte Nordbrise, in der wir das zweite Rennen starteten. Wir schafften es, den perfekten Start auf die Linie zu zaubern, nur, dass leider am Start unser Gennakerbaum minimal über die Linie ragte und vom Pinnend aus zu sehen war. Bis die Wettfahrtleitung unsere Bugnummer durchgesagt hatte, und wir Klarheit darüber hatten, dass wir als Frühstarter eingestuft wurden, dauerte es eine gefühlte halbe Ewigkeit und bis wir uns aus dem kleinen Päckchen aus Booten um uns herum befreien und umdrehen konnten, um uns zu bereinigen, hatten wir schon ordentlich Meter auf die Boote, die nicht umdrehen mussten, verloren. In der immer weiter abnehmenden Brise versuchten wir noch Plätze wieder gut zu machen, aber am Ende hatten wir so wenig Wind, dass ich mich nicht einmal mehr traute, die Split Times zum Ziel anzusagen, weil die einfach nicht weniger wurden und diese Info dann nicht unbedingt motivierend für die Crew war. Wir schafften es zumindest, das Rennen noch im Zeitlimit zu beenden und stellten uns für den Fall der Fälle schonmal darauf ein, zeitnah in ein drittes Tagesrennen zu starten, aber die Windverhältnisse machten nicht den Eindruck, dass noch ein Rennen möglich gewesen wäre, also wars das für den Tag. Wir waren natürlich alle sehr enttäuscht. Dazu kam noch, dass es ein langer Abend werden würde, weil wir zusehen mussten, dass Niramo für die verbleibenden Renntage in Ordnung ist.

Aber die nächsten Tage zeigten, dass wir als Crew durchaus in der Lage waren, den schlechten Start in die Regatta zu überwinden und abzuhaken. Wir nahmen uns alle zusammen, griffen die letzten beiden Tage nochmal an und versuchten das Beste aus den übrigen Rennen zu machen.

Am vorletzten Tag segelten wir einen 6. und einen 2. Platz.

Am letzten Tag segelten wir im ersten Rennen einen 2. Platz und befanden uns plötzlich in der Position, um den 2. Platz im Gesamtklassement zu kämpfen! Dann segelten wir im zweiten Tagesrennen noch einen 2. Platz und waren nicht nur zweite im Gesamtklassement, sondern führten die Wertung an! Im dritten Rennen ging es dann darum, genug Punkte Abstand zu unseren Verfolgern zu behalten. Es wurde nicht unser bestes Rennen, am Gate waren wir sogar fast letzte, aber ein starkes Come back in der zweiten Runde des Rennens brachte uns zurück auf den 6. Platz. Ob das punktmäßig reichte, um den ersten Platz zu halten?

Als wir durchs Ziel fuhren, war sich keiner von uns sicher. Daher musste das Presseboot, welches uns seit dem Zieldurchgang verfolgte, etwas auf die heiß begehrten Siegerfotos warten. Schließlich reichten sie uns eine Flasche Champagner und die „Eventwinner“ – Flagge an Bord und von da an war klar, wir hatten das Unglaubliche geschafft! Von einem Rennen mit Crash und dem letzten Platz im zweiten Rennen zum Regattasieg. Solche Geschichten schreibt nur der Segelsport. Wir hatten keines der Einzelrennen gewonnen, aber über Konstanz und Team Spirit die wenigsten Punkte gesammelt. Am Ende hat es um einen Punkt gereicht. Was für ein grandioses Gefühl!

English Version

My second event in the Clubswan 50 was the Nations Trophy, again in Palma de Mallorca. This time everything already felt much more familiar: I knew the crew, the yacht club where Niramo is moored, the procedures on board and my tasks. One thing was new though, we would be sailing with a different tactician than at the Copa del Rey.
The first day back on the island I checked the computer and all the displays and instruments so I would be as prepared as possible for our test sail the next day. Other than that, there wasn’t much to do, but I chatted with some sailors from other crews on the dock and made new contacts that would later prove to be very important. But more on that soon!
Sailing the next day was just beautiful. We had 10-12kts of seabreeze, sunshine and some waves. Since half of the crew was still at the Maxi Worlds in Porto Cervo, and would not arrive until the evening, we could not train effectively anyway, tested all systems, instruments and a few sails and otherwise just enjoyed the hours on the water. Sometimes yout just need a day like this.. 

On the first and second official training day we were only missing the tactician, but without a tactician or a dedicated decision maker it is always really difficult and chaotic to sail starts and races. So we didn’t join the training races of the others, but practiced by ourselves to accelerate the boat from slow speed to maximum speed, did a few speed tests with other boats and perfected our tacks and gybes. I also got the opportunity to collect some nice data for the True Wind calibration and was able to improve the calibration right away with my results from analyzing this data.
In the evening I had an appointment with Kerstin Zillmer from Float Magazine and we recorded a really nice podcast. Afterwards I only had a light dinner, because the next morning we would all have to get officially weighed. And after the entire crew had been weighed beforehand as a precautionary test, we were a few kilos over the maximum crew weight for the Clubswan 50. So everyone had to lose some more weight overnight.

The next morning I went for a jog. For breakfast, there was only coffee and a glass of water – and the daily weather report. For that day, not only the weigh in, but also the obligatory Covid-19 test was on the agenda. And at 12.00 we would leave the harbour to do some training beats before the Practice Race at 14.00.
I used the time until we would leave the dock to have a quick chat with Cameron, the new tactician. As a navigator, when you work with a new tactician, you should always clarify beforehand what they want to hear and how you can best support them. That’s because every tactician usually wants to hear everything a little different. Cameron’s approaches were indeed somewhat different from those of Marc. And especially as a young navigator, I was able to take away and learn a lot from this conversation.

Before the Practice Race there was an additional Practice Start, which Cameron used to get a feel for the fleet and the starting behavior of the class. The actual start of the Practice Race was a general recall because most of the fleet was over the line at the time of the start signal, but since it was still a reasonably fair start and we were „only“ sailing the Practice Race, no one from the fleet turned around. It was not a typical Palma day weather-wise. The wind was an unstable gradient with 12-16kts (and sometimes more) from the east. We had a big left shift directly on the first upwind and a course change for the first downwind and the second upwind. For me as a navigator, course changes are always a bit stressful, because I have to adjust the course in my computer aswell, and I had not yet found a really good technique for this.
Overall, we worked very well together as a crew and were able to execute Cameron’s game plan well, so that we crossed the finish line in second place.

After crossing the finish line, I surprised Cameron by telling him that I, the „young lady“ he would be working with for the week, was indeed very young for a navigator being only 21years old. Moments like that are always very reassuring for me, because then I realize that I really still have time to learn all the different skills that you have to cover as a navigator. Sometimes it seems like a mammoth task to me, you could probably fill an entire bachelor’s studies with everything you need to know as a navigator. So I am all the more grateful to have met so many open-minded professional sailors right at the beginning of my career.

The first day of racing would be tricky. Our local weatherman wasn’t even really sure himself, so we prepared ourselves for some postponement.
In fact, the wind kept shifting up to 90 degrees all day and kept dropping below 6kts (the minimum wind limit for Clubswan 50 races) occasionally, so the race committee eventually sent us back to the harbour without us attempting even a single start.

The second day of racing was a day that I don’t think any of us will forget. In the start of the first race we had a collision with another boat. Compared to the others, we got off lightly. We were lucky because Niramo was not damaged too much and the other team got a red flag for the incident. So at least we could still start the race, tough being shocked and having started way behind the fleet, we at least had a chance. Despite a half-broken sea fence on the port side of the boat, which meant we couldn’t fully hike on starbord, we managed to finish the race in 4th place. Puhhhh!

Shortly after the finish, the southwesterly wind died and shifted 90 degrees to the right. After 15-30min of waiting, a light northerly breeze established, in which we started the second race. We managed to conjure up the perfect start, except that unfortunately at the gun our gennaker pole was protruding minimally over the line and could be seen from the pin end. For the race committee to announce our bow number and give us clarity that we were indeed over, it took what felt like half an eternity and by the time we could get out from the small pack of boats around us and turn to clear, we had already lost a decent amount of meters to the boats that didn’t have to turn around. In the ever decreasing breeze we tried to make up places, but in the end we had so little wind that I didn’t even dare to call the split times to the finish, because they just didn’t decrease and this info was not necessarily motivating for the crew. At least we managed to finish the race within the time limit and prepared to start a third race of the day just in case, but the wind conditions didn’t give the impression that another race would have been possible, so that was it for the day.
We were all very disappointed, of course. On top of that, it was going to be a long evening because we had to make sure that Niramo was okay for the remaining days of racing.

But the next few days showed that we as a crew were quite capable of shaking off the bad start to the regatta. We all pulled ourselves together, attacked the last two days and tried to make the best of the remaining races.
On the second last day we sailed a 6th and a 2nd place. On the last day we sailed a 2nd place in the first race and suddenly found ourselves in position to sail for 2nd place overall! Then we secured another 2nd place in the second race of the day and were not only second overall, but leading the standings! In the third race it was all about keeping enough points distance to our chasers. It didn’t turn out to be our best race, at the gate we were even almost last, but a strong come back in the second lap of the race brought us back to 6th place. Was that enough points-wise to hold on to first place?

As we crossed the finish line, none of us were sure. So the press boat, which had been following us since we crossed the finish line, had to wait a bit for the much-wanted winner’s photos. Finally they handed us a bottle of champagne and the „event winner“ flag on board so it was clear we had done the unbelievable! From a race with a crash and the last place in the second race to winning the regatta. Such stories are only made by the sport of sailing. We had not won any of the individual races, but had collected the fewest points via consistency and team spirit. In the end it was enough by one point. What a great feeling! What a great crew to race with and what an achievement!

Schweigen ist einfach, Kommunikation ist Gold

Gerade lese ich das Buch „Crucial Conversations“ von Kerry Patterson, Joseph Grenny, Ron McMillan und Al Switzler. Gleich auf den ersten Seiten merkt man, dass dieses Buch wirklich gut und wichtig ist. Das Thema Kommunikation begleitet mich, seit ich vor einem Jahr angefangen habe, mit Mentalcoach Markus Bauchrowitz zu arbeiten, aber umso mehr, seit ich mit Nadi Böhm zusammen segle und wir noch intensiver von Markus gecoacht werden. Im Juli hat Markus uns in Kiel besucht und wir haben zwei Tage lang Kopf-Blockaden aufgeräumt, unsere Art mit Fehlern umzugehen komplett umgekrempelt und einige Routinen für unser Training gefunden.

Markus Bauchrowitz

Seitdem machen wir jeden Morgen vorm Segeln einen kleinen gegenseitigen Check-In. Auf einer Skala von 1-10 ordnen wir unsere allgemeine Energie – mental und physisch – ein. Dafür haben wir auch einen Idealzustand definiert. Der liegt bei uns etwa bei Sieben. Dann sind wir nicht zu nervös und aufgeregt, aber genug „switched on“. Sind wir nicht bei 7, haben wir individuelle Techniken, um auf 7 zu kommen. Ich z.B. bin morgens manchmal noch etwas lethargisch, gerade, wenn wir, wie zuletzt häufiger am Gardasee, sehr früh aufstehen mussten. Ich mache dann drei Burpees und fühle mich gleich viel wacher.

Manchmal ist es aber auch so, dass einen von uns auf mentaler Ebene etwas beschäftigt, dann ist dieser Check-In ein super Anstoß, um darüber zu reden und in einen Austausch zu kommen. Wenn wir das nicht machen, ist einer von uns beiden auf dem Wasser nicht 100% fokussiert und vielleicht auch schlecht gelaunt. Da wir so eng miteinander arbeiten auf dem Wasser, ist es nicht ungewöhnlich, wenn diese schlechte Stimmung dann auf die andere überspringt. Das ist natürlich ungünstig. Von daher ist es für uns extrem wichtig, alle Störungen schon vor dem Segeln zu besprechen und abzuhaken, sodass wir alles aus uns und der Trainingseinheit herausholen können.

Simon Toplak

Regattasegeln, insbesondere 49er Fx Segeln (meiner Meinung nach) ist schnell und intensiv. Du musst als Team deine Manöver zu 100% perfekt abrufen können, um deinen strategischen und taktischen Plan ausführen zu können. Zudem ist Segeln ein Team- aber kein Kontaktsport. Man hat wenig direkten Kontakt mit den Gegnern, verglichen mit z.B. Handball, wo du deine Gegner ständig berührst. Beim One Design Segeln sitzen zwar alle im gleichen Boot, aber eben nicht im selben Boot. Jedes Team versucht für sich den schnellsten Weg über den Kurs und in Relation zu den Gegnern zu finden und dabei möglichst wenige Fehler zu machen. Dabei gibt es aber wenig Möglichkeiten, seinem Ärger über eine Situation Luft zu machen. Die einzigen Menschen, die da sind und an denen du deine Frustration „auslassen“ könntest, sind deine Crew und du selbst.

Kassian Jürgens

Gehörst du eher zu den Menschen, die den Fehler bei den Menschen um sie herum suchen oder bei sich selbst? Ich kann dir sagen, es ist weder gut, den eigenen Frust an deinem Segelpartner auszulassen, noch dir selbst ständig auf die Mütze zu hauen. Und auf dem Wasser, gerade in diesen schnellen Bootsklassen, wo sehr viel gleichzeitig oder zumindest innerhalb sehr kurzer Zeit passiert, gibt es viel, worüber man sich aufregen kann, vor allem am Anfang, wenn man noch viel zu lernen hat.

Was hilft, damit sich gar nicht erst Frustration anstaut? Zum ersten der korrekte Umgang mit Fehlern (mehr dazu in unserem Girls for Paris Social Media Post vom 24.09.2021). Zum Zweiten Kommunikation. Was für eine Überraschung. Es ist kein Geheimnis, dass gesunde Kommunikation gut ist, um einen klaren Kopf zu bewahren und dass sie der Schlüssel zu guten Beziehungen ist. Aber die wenigsten Menschen wenden dieses Wissen konsequent an. Wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, unangenehme Dinge anzusprechen, offen und ehrlich unsere Gefühle zu kommunizieren und zuzuhören, ohne die Gefühle des anderen persönlich zu nehmen.

Deswegen scheint es oft einfacher zu schweigen, und die Situation auszusitzen. Kann man machen, Schweigen ist aber tödlich in einer Sportart, die so sehr von Kommunikation lebt. Die Steuerfrau auf dem 49er Fx ist blind, wenn die Vorschoterin nicht den Wind und den Druck am Boot ansagt und die Vorschoterin trifft die nächste Wende völlig unvorbereitet, wenn die Steuerfrau sie nicht über die Strategie und Taktik auf dem Laufenden hält. Wir können es uns nicht leisten, wenn einer von uns „zu macht“, weil wir uns über uns selbst ärgern. Kommunikation ist unsere größte Stärke, aber ohne Kommunikation sind wir nichts. Mit Markus haben wir deswegen eine kleine kurze Nachbesprechung eingeführt, die wir nach jeder Trainingseinheit machen, um mit allem, was auf dem Wasser passiert ist, aufzuräumen: 1. Biggest Learning? 2. Was fand ich besonders gut? 3. Was wünsche ich mir noch? So haben wir eine Routine, die eine Teamkultur von offener Kommunikation kreiert. Gesunde Kommunikation wird zur Gewohnheit. Zwar ist es nicht immer einfach, über diese Dinge zu sprechen, aber hinterher fühlen wir uns umso besser.

Markus Bauchrowitz

Es gibt unzählige unterschiedliche Methoden, die dabei helfen eine Routine zu entwickeln, aus der dann eine offene Kommunikationskultur erwächst. Meiner Meinung nach lohnt es sich für jedes Team, an seiner Kommunikation zu arbeiten – egal ob in der Sportmannschaft oder mit den Kollegen im Unternehmen. Markus ist dafür unser Ansprechpartner Nummer 1. Mehr über seine Arbeit findet ihr auf seiner Website (Markus sponsert uns mit seinem Coaching, aber ich würde sein Coaching auch so jedem wärmstens empfehlen).

English Version

Silence is easy, communication is gold

I am currently reading the book Crucial Conversations by Kerry Patterson, Joseph Grenny, Ron McMillan and Al Switzler. Right from the first pages you can tell that this book is really good and important. The topic of communication has followed with me since I started working with mental coach Markus Bauchrowitz a year ago, but even more so since I’ve been sailing with Nadi Böhm and since we’ve been coached even more intensively by Markus. In July Markus visited us in Kiel and we spent two days clearing up mind blockades, completely turning  around our way of dealing with mistakes and finding some new useful routines for our training.

Since then, we do a little mutual check-in every morning before sailing. On a scale of 1-10 we rank our general energy – mental and physical. We have also defined an ideal state for this. For us it is around 7. Then we are not too nervous and excited, but enough „switched on“. If we are not at 7, we have individual techniques to get to 7. I, for example, am sometimes still a bit lethargic in the morning, especially if we had to get up very early, like recently more often at Lake Garda. I then do three burpees and immediately feel much more awake.

Sometimes, though, something is bothering one of us on a mental level, and then this check-in is a super push to start talking about it. If we don’t do that, at least one of us won’t be 100% focused on sailing and may be in a bad mood. Since we work so closely together on the water, it‘ not uncommon that the bad mood then will spill over to the other. That is of course not ideal. That’s why it’s extremely important for us to discuss and tick off any distractions before sailing, so that we can get everything out of ourselves and the training session.

Racing, especially racing in the49er Fx (in my opinion) is fast and intense. You need to be able to execute your manoeuvres 100% perfectly as a team in order to execute your strategic and tactical plan. Also, sailing is a team sport but not a contact sport. You have little close contact with your opponents, compared to e.g. handball, where you constantly touch your opponents. When racing each team tries to find the fastest way over the course and in relation to the opponents and to make as few mistakes as possible. However, there are few possibilities to get rid of one’s anger about a situation. The only people around to „vent“ your frustration on are your crew and yourself. Are you one of those people who tend to blame the people around them, or do you blame yourself? I can tell you, it’s not good to take out your frustrations on your sailing partner, nor is it good to constantly beat yourself up. And on the water, especially in these fast boat classes where a lot is happening at the same time, or at least within a very short time, there is a lot to get upset about, especially in the beginning when you still have a lot to learn.

What helps to prevent frustration from building up in the first place? Firstly, dealing with mistakes correctly (more on this in our Girls for Paris social media post from 24.09.2021). Secondly, communication. What a surprise. It’s no secret that healthy communication is good for keeping your mind clear and is key to good relationships. But few people consistently apply this knowledge in day-to-day life. We simply aren’t used to addressing uncomfortable things, communicating our feelings openly and honestly, and listening without taking the other person’s feelings personally. That’s why it often seems easier to keep quiet and sit out the situation. You can do that, but silence is deadly in a sport that relies so much on communication. The helmswoman on the 49er Fx is blind if the crew doesn’t call the wind and pressure on the boat, and the crew is completely unprepared for the next tack if the helmswoman doesn’t keep her informed of the strategy and tactics. We can’t afford that one of us „shuts down“ because we’re annoyed with ourselves. Communication is our greatest strength, but without communication we are nothing. That’s why, with Markus, we’ve implemented a short debrief we do after each training session to clear up everything that happened on the water: 1. Biggest learning? 2. What did I like most? 3. What do wish for next? Like that, we have a routine that creates a team culture of open communication. Healthy communication becomes a habit. Though it’s not always easy to talk about these things, we feel all the better afterwards.

There are countless different methods that help to develop a routine from which an open communication culture then grows. In my opinion, it is worthwhile for every team to work on its communication – whether it’s with your sports team or with colleagues in the company. Markus is our number one contact for this. You can find out more about his work on his website (Markus sponsors us with his coaching, but anyway I would highly recommend his coaching to anyone).

Aus dem Tagebuch einer jungen Navigatorin

English Version below

Bevor es GPS gab, bestand die Aufgabe des Navigators darin, mit Navigationsbesteck, Karten und den Sternen den Weg zum Ziel zu finden. Heute sieht das ganz anders aus. Mit allen möglichen verschiedenen Sensoren und Instrumenten an Bord kann die Zeit, die ein Boot von A nach B braucht, genauestens berechnet werden, und zwar auf den Meter und die Sekunde genau – wenn derjenige, der für sie verantwortlich ist, sie auch perfekt beherrscht. Das ist der heutige Aufgabenbereich des Navigators. Doch wie für Segeln generell, gilt auch für die Rolle des Navigators, das Kontrollierbare zu kontrollieren und zu akzeptieren, wenn etwas einfach außerhalb des in dem Moment Machbaren liegt.

7 Tage bis zum Start der Copa del Rey

Um ehrlich zu sein, fühle ich mich nicht gut vorbereitet. Als mir im März die Position des Navigators auf der Niramo anvertraut wurde, waren es noch vier Monate bis zur ersten Regatta mit der Clubswan 50 – viel Zeit, um alle möglichen Bücher über Navigationssoftware zu lesen, und mich mit erfahrenen Navigatoren auszutauschen. Dann fing die Segelsaison wieder an, ich war segeln, segeln und nochmals segeln und versuchte nebenher noch die Uni im Blick zu behalten. Die Wochen verstrichen und irgendwie kam ich, was mein Wissen über Navigation für Inshore Rennen anging, nicht so richtig voran. Letztendlich lernte ich das meiste in der letzten Woche vor meiner Ankunft in Palma – nicht gut für mein Stresslevel!

5 Tage bis zum Start der Copa del Rey

Ich komme in Palma de Mallorca an, checke im Hotel ein – das erste Mal, dass ich für ein Segelevent in einem Hotel untergebracht bin – und gehe zum Hafen, um meine Crew für die nächsten 10 Tage und meinen neuen Aufgabenbereich kennenzulernen. Jeder scheint zu wissen, was zu tun ist, nur ich bin erstmal damit beschäftigt, den Bordcomputer zu suchen und ihn mit dem Ipad zu verbinden. Dann taucht endlich Marcel auf. Marcel hat vorher auf der Niramo navigiert und segelt jetzt auf der KER 46 Lisa R. Zu meinem Glück hat er sich frei genommen, um mich ein paar Tage in meine neuen Aufgaben einzuweisen und ein bisschen mein Mentor zu sein. Mit viel Geduld zeigt er mir, wie ich alles verbinde und den Speed-Sensor korrekt einsetze. Außerdem schauen wir uns gemeinsam die Plattform an, auf der ich die diversen Sensoren der Yacht kalibrieren kann, sowie ein paar Dinge in Expedition, der Navigationssoftware, mit der ich die nächsten Tage arbeiten werde. Einiges kenne ich natürlich schon, trotzdem sauge ich alles auf, sodass ich nach 2-3 Stunden völlig platt von all den neuen Infos bin und froh, dass ich nur dem Rest der Crew zum Restaurant hinterherstiefeln muss.

Training Tag 1

Da Marcel den Tag über Homeoffice macht, bin ich an meinem ersten Tag etwas auf mich allein gestellt. Freudig stelle ich aber bei meiner Ankunft im Hafen fest, dass Marcel mir allerlei kleine Checklisten für den Tag geschickt hat – ich fühle mich gleich viel selbstbewusster und entspannter! Auf dem Wasser schauen wir uns zwei unterschiedliche Vorsegel an und gleichen dann mit einer anderen Clubswan 50 an. Für mich ist das super, weil ich ganz entspannt die ganze Technik in Aktion erleben und mir alles in Ruhe anschauen kann. Von den Navi-Jobs mal abgesehen, muss ich auch erstmal meinen Platz an Bord finden – in den Halsen helfe ich die Luvschot des Gennakers rumzuziehen und sonst muss auch ich wie alle anderen auch auf der Kante „hiken“ und in jeder Wende die Seite wechseln. Und das am besten ohne den anderen in den Weg zu laufen oder auf irgendwelchen Schoten auszurutschen…

Ich bekomme auch direkt Feedback von der Crew bezüglich der Kalibrierung und lerne eine wichtige Lektion! Nur weil an einem Tag mal die „Numbers“ nicht passen, ist das noch lange kein Grund direkt in die Software zu gehen und an der über Jahre verfeinerten Kalibrierung groß etwas zu ändern! Am Abend schauen Marcel und ich uns ganz in Ruhe die Daten über sogenannte Stripchart-Diagramme in Expedition an und ziehen ein paar Tendenzen daraus, die wir zunächst in Excel in eine Kopie der aktuellen Kalibrierungstabelle einfügen.

Training Tag 2

Marcel und ich pflegen morgens die neuen Tendenzen in die echte Kalibrierungstabelle ein. Jetzt sollte die Crew mit den Zahlen wieder zufrieden sein. Falls unsere Änderungen kompletter Mist sein sollten, speichern wir ein Backup mit den alten Einstellungen, sodass ich im Zweifel auf dem Wasser schnell wieder auf die alte Kalibrierung wechseln kann.

Meine Coaching-Aufgabe für heute: Live anhand der Stripcharts schauen, ob die True Wind Direction (TWD) richtig kalibriert ist. Dafür schaue ich mir die TWD von Bug zu Bug an. Das Schiff muss dann aber im Race-Modus Amwind segeln und mehrere saubere Wenden fahren, da die Daten der Instrumente während Manövern immer sehr durcheinander und verfälscht sind. Während des Angleichens klappt das meist ganz gut – bis wir unsere Spielpartner überrollen und abfallen müssen, um für den nächsten Speedtest wieder gleiche Ausgangssituationen zu schaffen. Abfallen und Anluven sind nämlich genauso wie Manöver zu werten – mit den Daten kann man dann nichts anfangen.

Zum Schluss segeln wir noch ein Trainingsrennen. Für mich das erste Rennen und der erste Start als Navigator. In Expedition kann man sich für die Startsequenz ein extra Display konfigurieren, das eingeblendet wird, wenn der Timer aktiviert wird. Dann werden alle möglichen Zahlen und Zeiten angezeigt und wenn man das das erste Mal sieht, muss man erstmal klarkommen. Ich muss nicht erwähnen, dass meine Performance – das Kommunizieren der richtigen Zahlen und Zeiten zum richtigen Zeitpunkt – noch etwas chaotisch war, oder?

Training Tag 3

Es ist Wochenende! Also kommt Marcel heute mit aufs Wasser! Und wir haben ab heute Marc als Taktiker mit an Bord. In unseren ersten Trainingsstarts geht es immernoch etwas chaotisch zu. Zwar hat Marcel mit mir am Morgen die Startprozedur geübt und wir haben nochmal geklärt welche Zahlen zu welcher Zeit wichtig sind, aber da jeder Taktiker anders ist, war es keine Überraschung, dass Marc teilweise andere Informationen haben wollte, als die Taktiker, mit denen Marcel in der Vergangenheit gearbeitet hat. Definitiv war es ein anstrengender Tag für mich, wieder mit viel Input und Feedback und dementsprechend war ich abends ganz schön geschafft. Aber die Stunden auf dem Wasser mit Marc waren unglaublich wertvoll, um mit ihm in einen Kommunikationsfluss zu kommen.

Practise Race Day

Zum Frühstück gibt es den tagesaktuellen Wetterbericht. Auch das ist mein Aufgabengebiet. Ich notiere mir das Wichtigste auf meinen „Wetnotes“, um später der Crew ein Wetter-Briefing zu geben. Darüber hinaus  lese ich mir am Dock die Segelanweisungen durch und mache mir ebenfalls Notizen. Zwar ist es brütend heiß und im Hotel wäre das sicherlich angenehmer gewesen, aber als Navigator, versuche ich immer eine der ersten am Boot zu sein, um zu kontrollieren, ob alles wie gewünscht funktioniert. Falls dem nicht so ist, habe ich dann nämlich noch etwas Zeit, das Problem zu lösen.

Um 11 Uhr laufen wir aus für das Practise Race um 13 Uhr. Erstmal lässt der Wind auf sich warten. Während der Rest der Crew sich entspannt, um für das Rennen fit zu sein, beobachte ich zusammen mit dem Taktiker den Wind, um den nächsten Race Start möglichst früh antizipieren zu können. Das Practise Race beenden wir als Vierte. Für mein erstes Rennen als Navigator gar nicht so schlecht – aber ich habe ja auch eine großartige Crew!

Race Day 1

Den Tag beginne ich routinemäßig mit einer Runde Yoga, dann lese ich beim Frühstück den Wetterbericht und mache mir wieder Notizen. Außerdem schaue ich mir die Bodenwetterkarte vom Deutschen Wetterdienst an, um einen groben Überblick über die aktuelle Wetterlage zu bekommen. Da wir in der Bucht vor Palma definitiv mit Seabreeze segeln werden, schaue ich mir außerdem an, wie die Richtung und Stärke des Gradienten die Seabreeze beeinflussen werden.

Dann geht es raus, wir segeln uns ein paar Schläge ein, ich schaue mir die Strip Charts an, dann geht es zurück zum Startschiff, alle stärken sich noch einmal. Dann „pingen“ wir das Startschiff. Pingen bedeutet, dass wir ganz dicht an einer Bahnmarke vorbeifahren und ich im richtigen Moment auf meiner Karte im Computer eine Markierung setze. Sobald die Wettfahrtleitung auch das linke Ende (Pin-End) der Startlinie ausgelegt hat, pingen wir auch das.

Jetzt kann ich die Startlinie digital auf meinem Computer sehen und er rechnet mir aus, welche Seite bevorteilt ist, wie lange wir noch zu den Enden und zur Linie brauchen und vieles mehr. Beim 5-Minuten-Signal starte ich den Timer. Jetzt wird mir zusätzlich noch die Zeit angezeigt, die wir bis zum Startsignal noch totschlagen müssen. Alle sind 100% fokussiert, ich gebe alle 15 Sekunden verschiedene Zeiten raus, bemerke kaum wie dicht wir den anderen Clubswan 50 kommen. Dann ist auch schon der Start und ich springe auf die hohe Kante und los geht’s!

Wir segeln zwei solide Platzierungen und sind am Ende des Tages auf Platz 5, punktgleich mit Platz 3 und 4.

Race Day 2

Der Computer will heute nicht so ganz wie ich will. Kurz vorm Pingen stockt Expedition, ich kann keine Tasten mehr bedienen. Endlich, gerade als unser Vorschiffsmann sich schon bereit macht, mir anzuzeigen, wann unser Bug an der Linie ist, funktioniert es wieder. Was ein Glück! Leider hat die Wettfahrtleitung aber genau in dem Moment, als Expedition gestreikt hat, den Kurs und die Distanz zur Luvbahnmarke über Funk durchgesagt, sodass ich diese Infos nicht wie sonst direkt in die Software eingeben konnte. Aber auch das gehört zum Job des Navigators: wenn die Technik streikt, improvisieren. Natürlich habe ich mir Kurs und Distanz anderweitig notiert und kann mir so nach dem Start meinen Up-and-Down-Kurs programmieren.

Im zweiten Rennen fahren wir heute einen 2. Platz, der uns auf den 3 Platz in der Gesamtwertung vorrücken lässt. Ich muss sagen, im Team abzuliefern und sich nach dem Rennen abzuklatschen und gegenseitig auf die Schulter zu klopfen fühlt sich großartig an!

Race Day 3

Wir konnten noch nicht herausfinden, was mit dem Computer nicht stimmt. Und leider entscheidet er sich heute sogar, mitten im Rennen selbst auszuschalten, sodass ich keine Zeiten zu den Laylines, keine Peilung, einfach keinen Kurs mehr habe. Bis ich realisiert habe, was los ist, dauert es einen Moment – mitten im Duell mit einem anderen Boot willst du ja auch nicht unbedingt jemanden von der hohen Kante unter Deck schicken – also peile ich die nächste Layline nur mit meinem Handpeilkompass.

Wir halten den 3. Platz und ziehen also mit 3 Punkten im Gepäck in die Finalrennen ein (Das Regattaformat sieht keine Streicher vor, sondern die Platzierung nach den ersten drei Renntagen wird als Punktzahl in die letzten drei Tage mitgenommen).

Race Day 4

Über Nacht haben wir weiter versucht, Ursachen für das Problem mit dem Computer auszuschließen – es scheint mit der Batteriespannung zusammenzuhängen. Wir werden also die Batterie austauschen.

Heute geht es ans Eingemachte! „Das Training ist jetzt vorbei“, scherzen wir auf dem Weg raus zur Race Area über das Regattaformat. Denn effektiv ist es so, als hätten wir bisher keine 6, sondern nur ein Rennen gesegelt und darin einen 3. Platz gemacht. Unser Eigner Sönke hält außerdem eine Ansprache, mit der es ihm exzellent gelingt, alle abzuholen, zu motivieren und das Teamgefühl noch einmal zu stärken.

Expedition hakt wieder – diesmal direkt zum 5-Minuten-Signal – also improvisiere ich und rechne die Time to Burn im Kopf aus.

Im zweiten Rennen stürzt dann noch einmal auf der Kreuz der Computer ab, aber ich lasse mich davon nicht beirren, versuche die Layline zu schätzen und springe beim Abfallen schnell unter Deck, um ihn wieder anzuschalten.

Aber wir segeln weiter konstante Platzierungen und schieben uns auf Platz 2 im Gesamtklassement vor!

Race Day 5

Der Computer funktioniert wieder! Mit dem vorletzten Renntag steigt auch der Druck ein wenig, den zweiten Platz zu halten. Der Wind dreht viel und macht es mir schwer die Laylines anzusagen. Im einen Moment können wir noch eine Minute von der Layline weg sein, im nächsten dreht der Wind und wir sind 20 Sekunden drüber. Aber auch das hatten wir die Woche über schonmal und deswegen bin ich mittlerweile dazu übergegangen, die Laylines mit der entsprechenden Windrichtung bzw. -Tendenz anzusagen, sodass Marc weiß, wo wir stehen.

Die Plätze 4 und 8 reichen leider nicht, um den zweiten Platz zu halten. Auf Platz 4, aber punktgleich mit Platz 3 und 5 Punkten zum 2. Platz beenden wir den Tag.

Race Day 6

Mittlerweile habe ich meine eigenen Pre-Race-Routinen entwickelt. Meine Expedition Displays habe ich nach dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ über die Woche immer weiter auf meine persönlichen Präferenzen abgestimmt und Marc und ich sind nun so eingespielt, dass wir uns während des Rennens gut austauschen können.

Die Taktik für das letzte Rennen ist gar nicht so einfach. Sollen wir das Team auf Platz 3 matchracen? Oder einfach unser bestes Rennen segeln? Wieder dreht der Wind sehr, was die Strategie nicht gerade einfacher macht. Zwar fahren wir wieder ein solides Rennen, aber unsere Gegner auf Platz 3 machen es einfach besser und gewinnen die Wettfahrt.

Fazit

Am Ende ist Gesamtplatz 4 etwas enttäuschend, nachdem wir lange 3. und auch einen Tag 2. waren, aber gemessen an unserem Trainingsaufwand (4 Tage in dieser Crewkonstellation) war es wirklich gut. Jedenfalls hat es mir unglaublich Spaß gemacht, mit so einer professionellen Crew zu segeln. Die Jungs sind allesamt super cool drauf und haben mich sofort ins Team eingebunden. Die Atmosphäre an Bord ist wirklich einzigartig, was sicher auch an Sönkes Führungsstil bzw. seinem Vertrauen in die Crew und seiner Bereitschaft sich von den Profis an Bord coachen zu lassen, liegt.

Ich freue mich schon auf das nächste Event – The Nations Trophy, ebenfalls in Palma Mitte September!

English Version

From the diary of a young navigator

Before GPS existed, the navigator’s job was to use navigational tools, maps and the stars to find the way to the destination. Today, things are different. With all sorts of different sensors and instruments on board, the time it takes for a boat to get from A to B can be accurately calculated, down to the meter and the second – if the person responsible for them has perfect command of them. That is the navigator’s job today. But as with sailing in general, the navigator’s role is to control what can be controlled and to accept when something is simply outside of what is feasible at that moment.

7 days until the start of the Copa del Rey

To be honest, I don’t feel well prepared. When I was entrusted with the position of the navigator on Niramo in March, it was still four months until the first regatta with the Clubswan 50 – plenty of time to read all kinds of books about navigation software, and to exchange ideas with experienced navigators. Then the sailing season started again, I was sailing, sailing and sailing again, whilst also trying to keep up with my university course. The weeks went by and somehow I didn’t make much progress in my knowledge of navigation for inshore racing. In the end I learned most of it in the last week before arriving in Palma – not good for my stress level!

5 days until the start of the Copa del Rey

I arrive in Palma de Mallorca, check in at the hotel – the first time I’ve stayed in a hotel for a sailing event – and head to the port to meet my crew for the next 10 days and get to know my new job. Everyone seems to know what to do, only I am busy trying to find the on-board computer and connecting it to the Ipad. Then finally Marcel shows up. Marcel has previously navigated on Niramo and now sails on KER 46 yacht Lisa R. Fortunately for me, he has taken a few days off to teach me my new tasks and be a bit of a mentor for me. With a lot of patience, he shows me how to connect everything and use the speed sensor correctly. We also look at the interface on which I can calibrate the yacht’s various sensors, as well as a few things in Expedition (the navigation software I will be working with for the next few days). Of course I already know some things, but I still absorb everything, so after 2-3 hours I am completely exhausted by all the new information and glad that I only have to follow the rest of the crew to the restaurant.

Training Day 1

Since Marcel is doing home office during the day, I am a bit on my own on my first day. But when I arrive in the harbor, I’m happy to find that Marcel has sent me all kinds of little checklists for the day – I immediately feel much more confident and relaxed! On the water, we look at two different headsails and then do some speed tests with another Clubswan 50. This is great for me because I can relax, see all the technology in action and look at everything without pressure. Apart from the navigation jobs, I also have to find my place on board – in the gybes I help to pull the windward sheet of the gennaker around and otherwise I have to hike like everyone else and change sides in every tack. And that’s best done without running into the way of the others or slipping on any sheets…

I also get direct feedback from the crew regarding the calibration and learn an important lesson! Just because the „numbers“ don’t fit one day, that’s no reason to directly to go into the software and change the calibration, which has been refined over the years! In the evening, Marcel and I sit together and look at the data via so-called stripchart diagrams in Expedition and draw a few tendencies from them, which we first insert into a copy of the current calibration table.

Training Day 2

In the morning Marcel and I put the new numbers in the actual calibration table. Now the crew should be happy with the numbers. In case our changes would be complete crap, we save a backup with the old settings, so in that case I can quickly switch back to the old calibration on the water.

My coaching task for today: Check live on the strip charts if the True Wind Direction (TWD) is calibrated correctly. To do this I am looking at the TWD from bow to bow. However, the boat must then sail in race mode upwind and make several clean tacks, since the data from the instruments is always very confused and distorted during manoeuvres. During a speed test, this usually works quite well – until we roll our play mates and bear away in order to create an even starting situation again for the next speed test. Bearing away and coming up are to be seen in the same way as manoeuvres – you can’t do anything with the data then.

Eventually, we also sail a training race. For me this is the first race and the first start as a navigator. In Expedition you can configure an extra display for the start sequence, which is shown when the timer is activated. Then all sorts of numbers and times are displayed and you really have to get used to it when you see that for the first time. No need to mention that my performance – communicating the right numbers and times at the right time – was still a bit messy, right?

Training Day 3

It’s the weekend! So Marcel is coming out on the water today! And from today on we have Marc on board as tacticia. Our first training starts are still a bit chaotic. Marcel practiced the start procedure with me in the morning and we clarified again which numbers are important at which time, but since every tactician is different, it was no surprise that Marc partly wanted to have different information than the tacticians Marcel has worked with in the past. It  was definetily a busy day for me, again with a lot of input and feedback and accordingly I was quite exhausted in the evening. But the hours on the water with Marc were incredibly valuable to get into a flow of communication with him.

Practise Race Day

I’m having the daily weather report for breakfast. This is also my job. I jot down the most important things on my „wetnotes“ so I can brief the crew on the weather later. In addition, I read through the sailing instructions on the dock and also take notes. Yes, it is blisteringly hot and certainly would have been more comfortable in the hotel, but as a navigator, I always try to be one of the first at the boat to check that everything is working as it should. If not, I still have some time to solve the problem.

At 11 am we leave for the practice race at 1 pm. For the time being the wind is letting us wait. While the rest of the crew relaxes to be fit for the race, I am watching the wind together with the tactician to anticipate the next race start as early as possible. We finish 4th in the Practise Race. Not bad for my first race as a navigator – but that being said – I also have a great crew!

Race Day 1

I routinely start the day with a round of yoga, then read the weather report at breakfast and take notes again. I also look at the weather map from the German Weather Service to get a rough overview of the current weather situation. Since we will definitely be sailing with seabreeze in the Bay of Palma, I also look at how the direction and strength of the gradient will affect the seabreeze.

After we head out, we sail a couple of tacks, I look at the strip charts, then it’s time to go back to the comitte boat and everyone grabs a snack and some water. Then we „ping“ the committee boat. Pinging means that we pass very close to a mark and I set a mark on my chart in the computer at the right moment. As soon as the race committee has also laid out the left end (pin end) of the start line, we ping that, too. Now I can see the starting line digitally on my computer and it calculates which side is advantaged, how long we still need to get to the ends and the line, and much more. At the 5-minute signal I start the timer. Now expedition also shows the time we still have to kill until the start signal. Everyone is 100% focused, I give out the times every 15 seconds, hardly noticing how close we are getting to the other Clubswan 50s. Then it’s the start and I jump on the rail and off we go!

We sail two solid races and are in 5th place at the end of the day, tied for 3rd and 4th.

Race Day 2

The computer doesn’t quite want to go my way today. Shortly before pinging Expedition falters, I can’t operate any buttons. Finally, just as our boman is getting ready to show me when our bow is at the line, it works again. Lucky! Unfortunately, at the very moment Expedition was on a strike, the race committee announced the course and distance to the windward mark via the radio, so I couldn’t enter this info directly into the software as I normally would. But that’s also part of the navigator’s job: when the technology goes on strike, improvise. Of course, I made a note of the course and distance elsewhere, so I can program my up-and-down course after the start.

We finish 2nd in the second race today, which lets us move u to 3rd place in the overall standings. I have to say, delivering as a team and giving each other high fives after the race feels great!

Race Day 3

We still couldn’t figure out what was wrong with the computer. And unfortunately, today it even decides to turn itself off in the middle of the race, so I have no times to the laylines, no bearing, just no course anymore. It takes me a moment to realize what’s going on – in the middle of a duel with another boat you don’t necessarily want to send someone hiking on the rail below deck – so I take a bearing to the next layline using only my hand bearing compass.

We keep 3rd place and thus move into the final races with 3 points (the regatta format does not provide for discards, but the ranking after the first three days of racing is taken into the last three days as points).

Race Day 4

Overnight we continued to try to rule out causes for the problem with the computer – it seems to be related to the battery voltage. So we will replace the battery.

Today it’s down to the nitty gritty! „Training is over now,“ we joke about the regatta format on the way out to the Race Area. Because effectively it’s like we haven’t sailed 6 races so far, just one, and we came 3rd in it. Our owner Sönke also gives a speech with which he succeeds excellently in picking up everyone, motivating them and strengthening the team feeling once again.

Expedition doesn’t want to work – again! This time directly to the 5-minute signal – so I improvise and calculate the time to burn in my head.

In the second race the computer shuts down once again on the upwind, but I don’t let it bother me, try to estimate the layline and quickly jump below deck when we bear away to turn it back on.

Still we continue to deliver consistent race results and move up to 2nd overall!

Race Day 5

The computer works again! With the penultimate day of racing, the pressure to hold on to second place increases a bit. The wind shifts a lot and makes it difficult for me to call the laylines. One moment we can be a minute away from the layline, the next the wind shifts and we are 20 seconds over. But we’ve had that happen during the week, too, and that’s why I’ve started announcing the laylines with the corresponding wind direction or tendency, so Marc knows where we are a.

A 4th and 8th place unfortunately isn’t enough to keep  second place. We finish the day in 4th place but tied with 3rd place and 5 points behind 2nd place.

Race Day 6

By now I have developed my own pre-race routines. I have continued to adjust my expedition displays to my personal preferences over the week according to the motto „As much as necessary, as little as possible“ and Marc and I are now well in sync so we can exchange ideas during the race.

The tactics for the last race are not easy. Should we match race the team on 3rd place? Or just sail our best race? Again the wind shifts a lot, which doesn’t make the strategy any easier. We sail another solid race, but our opponents in 3rd place simply do it better and win the race.

Conclusion

In the end, 4th overall is a bit disappointing after being 3rd for a long time and also 2nd one day but measured against our training effort (4 days in this crew constellation) it was really good. Anyway, it was incredibly fun to sail with such a professional crew. The guys are all super cool and immediately integrated me into the team. The atmosphere on board is really unique, which is certainly also due to Sönke’s leadership style and his trust in the crew and his willingness to be coached by the professionals on board.

I am already looking forward to the next event – The Nations Trophy, also in Palma in mid-September!

Was ich gelernt habe, als ich mit drei Frauen Rund Bornholm gesegelt bin

Zuerst muss ich eines loswerden: Ich bin extrem stolz auf meine Crew. Toni, Anjola, Eshana – ihr habt das großartig gemacht. Wir haben nicht nur ein super Ergebnis erzielt, sondern auch als Team Hand in Hand gearbeitet. Schon in der Vorbereitung wurde überall mit angefasst, mit organisiert und obwohl ich direkt vor der Regatta eine Woche voller Uni-Prüfungen, 49er Fx Training, Athletiktraining und sogar ein Sponsorentreffen hatte, kam kein Stress auf. Ihr habt euch sogar selbstständig getroffen und habt euch schonmal mit der Strecke auseinandergesetzt, was am Ende wirklich Gold wert war. Ich bin mir sicher, dass wir das Team mit dem besten Roadbook waren. Und obwohl unsere Hintergründe und bisherigen Erfahrungen mit dem Segelsport nicht anders sein könnten, haben wir es geschafft alle einzubinden, sodass jeder sich ausprobieren konnte und Neues gelernt hat. Ich habe auch unglaublich viel auf dem Weg und von euch gelernt und darüber möchte ich in diesem Artikel schreiben.

Zum Ersten war es super spannend zu sehen wie verschieden jeder Mensch mit Verantwortung umgeht. Ich persönlich reiße diese oft an mich. Das kann positiv oder negativ sein. Einerseits muss einer an Bord als Skipper/Schiffsführer die Verantwortung tragen. Andererseits sind wir 270 Seemeilen gesegelt und auch wenn es Rennen gibt, die genauso lang oder länger im singelhanded Modus gesegelt werden, kann man doch als Team so viel smarter, schneller und besser segeln als allein. Das musste ich am Start des Rennens erstmal lernen. Da ich es gewohnt war, mit Max einen Start auf der Dehler 30 od zu segeln, war es völlig neu für mich die Aufgaben auf vier Leute zu verteilen. Mein erster Reflex als etwas auf dem Vorschiff nicht auf Anhieb zu funktionieren schien war, die Pinne jemand anderes in die Hand zu drücken und selbst nachzuschauen. Dabei vernachlässigte ich es aber den Überblick über die Gesamtsituation zu behalten, was eigentlich meine Aufgabe gewesen war, nahm meiner Vorschiffsfrau die Aufgabe und damit das Selbstvertrauen in dieser Situation weg und machte am Ende noch selbst einen Fehler beim Anbauen des Vorsegels. Das Resultat war ein holpriger und später Start. Glücklicherweise fällt der Start bei einem Langstreckenrennen nicht so sehr ins Gewicht.

Weiterhin habe ich den Stress, der mit der Verantwortung als Skipper für drei andere Menschen einhergeht, völlig unterschätzt. Am Abend vor der Regatta begann mein Magen zu grummeln und ich hatte plötzlich ganz schön Bauchschmerzen. Während der Regatta war ich nahe am Durchfall, musste vor und nach jeder Wache die Bordtoilette aufsuchen. Und tatsächlich habe ich deutlich mehr geschlafen als sonst im Doublehanded Modus, aber lange nicht so entspannt wie wenn ich mit Max oder Rasmus unterwegs war und hatte in der zweiten Nacht schließlich mit Sekundenschlaf und kleinen Halluzinationen zu kämpfen.

Ich habe meinen Mitseglerinnen vollständig vertraut, aber trotzdem war es eine ungewohnte Situation Hauptentscheider an Bord zu sein und im Ernstfall für das Überleben dreier Menschen verantwortlich zu sein. Zwar kenne ich die Dehler 30 od mittlerweile wirklich gut und auch Navigation mit unserer Routingsoftware und Wetteranalyse sind gar ein Problem für mich. Aber tatsächlich haben Eshana und Toni deutlich mehr Zeit auf See verbracht, als ich bisher, und dadurch mehr Erfahrung, was z.B. das Lesen von Seezeichen angeht. Deswegen habe ich mir ein Beispiel an Otto, Skipper auf der „Ospa“ von Speedsailing, genommen. Er hat mir vor ein paar Wochen erzählt, wie wichtig es ist, dass ein Skipper erkennt, wenn er/sie Defizite in einigen Bereichen hat, und dann auf das Wissen aus seiner Crew vertraut.

Daher haben wir oft Entscheidungen im Team abgewogen, und dabei ist ein wirklich solides Rennen mit guter Strategie herausgekommen, in welchem wir mindestens 50% der Zeit die Dehler 30 od Wertung angeführt haben, und zwischendurch sogar unsere gesamte Startgruppe. Was für eine sensationelle Teamleistung!

Auch merkt man erst in einer Crew wie sehr die eigene Leistung abnimmt, wenn man müde und erschöpft ist. Natürlich merke ich selbst, wenn ich Sekundenschlaf habe, aber das volle Ausmaß der Folgen, die das auf meine Leistung z.B. beim Steuern hat, wird einem erst hinterher oder gar nicht klar. Ich zolle daher meiner Crew größten Respekt, dass sie in der zweiten Nacht im wahrsten Sinne des Wortes das Ruder übernommen hat und mich unter Deck geschickt hat und hat schlafen lassen, nachdem ich in der ersten Nacht zwei Freiwachen hauptsächlich mit Routing verbracht habe, anstatt mich auszuruhen und zu schlafen.

Ein Punkt, den wir daher beim nächsten Mal besser machen wollen, ist eine klare Rollenverteilung für die Aspekte, die gar nicht wirklich etwas mit Segeln zu tun haben. Eine kleine Anekdote von Tonis Zeit auf dem Brunel Ocean Racer: Dort gibt es die „Kitchenqueen“, die Person, die dafür zuständig ist, dass immer Snacks zur Verfügung stehen, die Essenszeiten eingehalten werden und die Pantry in Ordnung gehalten wird. Außerdem gibt es den „Watermaster“, das ist die Person, die dafür sorgt, dass immer alle Wasserflaschen aufgefüllt sind und die schaut, ob Wasser in der Bilge ist. Dann gibt es noch den „Stackingking“, die Person, die fürs das optimale Stauen der Segel und die Wasserballasttanks verantwortlich ist. Es gibt tausend kleine Aufgaben, für die man als Skipper nicht verantwortlich sein muss und wenn man diese delegiert, hat man den Kopf frei für die wichtigen Sachen und weniger Stress.

Wir haben außerdem festgestellt, dass es nicht gut ist, wenn Skipper und Navigator ein und dieselbe Person sind (wieder ein Anflug meiner Angewohnheit alle Verantwortung an mich zu reißen). Sollte es gar nicht anders gehen, weil eine Person eben zufällig die einzige Person ist, die sich in der Lage fühlt, diese beiden Rollen auszufüllen, dann sollte diese Person entweder nicht am Wachsystem teilnehmen, oder man sollte extra Freiwachen einrichten, damit diese Person all ihren Aufgaben ordnungsgemäß nachkommen kann und trotzdem ihre Ruhezeiten hat.

Eine letzte lehrreiche Erfahrung möchte ich noch teilen: Natürlich wurde der Druck, den wir uns selbst machten, mit jeder Meile, die wir das Rennen anführten, größer und größer. Als wir Bornholm rundeten machten wir einen ersten Fehler, entschieden uns zu spät den Gennaker zu setzen und verschenkten fast zwei Meilen Vorsprung auf die zweite Dehler 30 od, die „Humbolt“ vom Offshore Team Germany. Danach waren Morten und Felix nur noch 1,5 Seemeilen hinter uns und so konnte zumindest ich die Downwindkreuz an der Nordostseite Bornholms bei 20kts, Wellen zum Absurfen und strahlendem Sonnenschein gar nicht genießen, weil ich alle 5min den Abstand zur „Humbolt“ auf dem AIS checkte. Dabei ruhte ich mich natürlich auch wieder nicht vernünftig aus. Auch wenn es mitten am Tag war, hätte ich mich ja in meiner Freiwache hinlegen und Schlaf nachholen können.

Nachdem wir die Nordspitze Bornholms gerundet hatten, ging es auf einen Amwind, der später in einen spitzen Reach mündete. Auf solchen Kursen profitiert die Dehler 30 od von den 200l Wasserballast. Die durften wir aber im fully-crewed Modus nicht benutzen, die Doublehanded Teams dagegen schon. Wir wussten also, dass Morten und Felix als Doublehanded Team uns gehörig auf die Pelle rücken würden. Mit einem guten Call, als erste von der Fock auf den Code 0 zu wechseln, konnten wir die beiden aber zunächst gut auf Abstand halten. Gegen Abend tauchte am Horizont eine weitere Front (die dritte in diesem Rennen) auf. Wir trafen ein paar Vorkehrungen, um gut auf jedwede Winddrehungen und Böen vorbereitet zu sein, die die Front mit sich bringen mochte. Dann aßen wir alle noch schnell etwas Warmes, denn ich weiß aus Erfahrung, dass es lange dauern kann bis sich nach dem Durchzug einer Front an Bord alles wieder so sortiert hat, dass man den Jetboil anschmeißen und Abendessen kochen und essen kann. Doch trotz aller vorbereitenden Überlegungen artete dann doch das Furlen des Code 0 beim Erreichen der Front wieder in Hektik aus, wir schrien uns an, ich fand mich mal wieder ohne Gesamtüberblick auf dem Vorschiff wieder und nachdem alles vorbei war, war der Wind weg, hatte um 90 Grad gedreht und die Welle, die von dem Wind vorher noch stand, machte das Steuern schwer.

Ich übernahm voller Adrenalin das Steuer, steuerte aber vor lauter Aufregung nicht an der Windkante, machte zwei richtig schlechte Wenden und dann war die „Humboldt“ auch schon an uns vorbeigefahren. Ihr könnt euch kaum vorstellen wie sauer ich in diesem Moment auf mich selbst war, wie irrational ich in diesem Moment von mir, unserer und meiner Situation und meinen Mitseglerinnen dachte.

Als Anjola das Steuer übernahm und ich an die Schot ging, kommunizierte ich nicht den Druck, was eigentlich meine Aufgabe gewesen wäre, baute schließlich auch noch den Gennaker falsch herum an, merkte es aber noch vor dem Setzen und machte meinem Ärger lautstark Luft, was nicht unbedingt der ohnehin gedrückten Stimmung an Bord Abhilfe schaffte. Selbst während meiner Freiwache konnte ich meinen Stolz nicht herunterschlucken, obwohl mir langsam bewusst wurde, wie blöd ich mich aufführte und wie unproduktiv mein Verhalten war. Schließlich, nach einer weiteren Winddrehung im Dunklen mit einem hektischen Segelwechsel war ich in der Lage, mich wieder zusammenzureißen, mich für mein Verhalten zu entschuldigen und meine Mitseglerinnen dazu aufzurufen, einmal durchzuatmen, die schwierigen Stunden abzuhaken und uns auf die verbleibenden 100 Seemeilen zu konzentrieren.

Natürlich zahlte sich mein Eingeständnis aus. Alle waren wieder motiviert und wir segelten das Rennen konzentriert zu Ende. Selbst die Flaute 3 Seemeilen vor dem Ziel konnte uns nicht mehr davon abhalten, einen starken 2. Platz nach Hause zu fahren.

Ich kann jedem, der etwas über Führung und Verantwortung lernen möchte, nur raten, fully-crewed eine Regatta zu segeln. Klar, als Nichtsegler fällt da der Einstieg schwer, aber z.B. Speedsailing bietet jedes Jahr Plätze auf ihren Ocean Racer Yachten an, mit denen sie auch die Langstrecke Rund Bornholm mitsegeln. Da kann man sich auch ohne große Segelerfahrung einkaufen und es ist garantiert eine lehrreiche Erfahrung. Unter https://www.speedsailing.de/maritime-events/rund-bornholm-2022.html kann man jetzt schon seinen Platz für 2022 buchen (keine bezahlte Werbung, sondern meine persönliche Empfehlung). Wer es noch intensiver mag und schon etwas Segelerfahrung hat, könnte sich allerdings auch eine Dehler 30 od leihen oder chartern oder man kennt jemanden, wo man mitsegeln kann. Diese 30 Fuß langen Yachten sind perfekt, um alle Bereiche des Offshore Segelns kennenzulernen ohne dabei den Teamaspekt außer Acht zu lassen. So eine Yacht auf der mir bis dahin unbekannten Langstrecke Rund Bornholm zu skippern war für mich eine unglaubliche Erfahrung, die mich für meine weitere Karriere prägen wird.

Zuletzt möchte ich mich noch bei der Dehler 30 od Class Association bedanken, die im Rahmen von #girlsplayharderoffshore das Meldegeld für unsere Teilnahme bezahlt. Es freut mich, dass die Klasse sich in diese Richtung engagiert, und bin gespannt wie es mit #girlsplayharderoffshore weitergeht! Und natürlich wäre das ganze Projekt nicht ohne das Vertrauen der coolen Eigner der Playharder realisierbar gewesen. Danke Chris und Dirk, dass ihr mir euer Boot immer wieder anvertraut!

Außerdem geht ein großes Danke an Sven Krause von QuantumSails Germany, der allen Lieferschwierigkeiten zum Trotz alles unternommen hat, um unseren neuen Code 0 noch an die Startlinie zu bringen. Auch wenn es sehr kurzfristig war, und keine Zeit mehr blieb, das Segel vor dem Rennen zu testen, bin ich jetzt sehr zufrieden mit dem Design. Den neuen Code 0 konnten Max und ich durch die finanzielle Unterstützung von Jotun Deutschland in Auftrag geben (noch ein Danke an dieser Stelle!). Er ist eine super Ergänzung für unseren Segelsatz, weil er viele True Wind Winkel bei Windstärken on 1 bis 25 kts abdeckt. Der Code 0 wird noch einen großen Sticker mit dem Jotun Logo bekommen – das Aufkleben haben wir leider vor dem Rennen nicht mehr geschafft – sodass wir dann bei jedem Wetter mit Pinguin-Power durch die Gegend ballern können!

English Version

What I learned from sailing around Bornholm with three women

First of all, I have to get one thing off my chest: I am extremely proud of my crew. Toni, Anjola, Eshana – you did a great job. Not only did we achieve a great result, but we also worked hand in hand as a team. Even during the preparation, everyone was involved, organised and although I had a week full of university exams, 49er Fx training, athletic training and even a sponsor meeting directly before the regatta, there was no stress. You guys even met on your own and went over the course beforehand, which was really worth its weight in gold in the end. I’m sure we were the team with the best roadbook. And although our backgrounds and previous sailing experience couldn’t be more different, we managed to get everyone involved so that we were all able to try things out and learn new skills. I also learned an incredible amount along the way from you guys and that’s what I want to write about in this article.

First of all, it was super exciting to see how differently everyone deals with responsibility. Personally, I often like to take responsibility. This can be positive or negative. On the one hand, someone on board as skipper/leader has to carry the responsibility. On the other hand, we sailed 270 nautical miles and even though there are races that are sailed as long or longer in singledhanded mode, you can sail so much smarter, faster and better as a team than alone. I had to learn that at the start of the race. As I was only used to sailing a start on the Dehler 30 od with Max, it was completely new for me to divide the tasks between four people. My first reflex when something on the foredeck didn’t seem to work right away was to put the tiller in someone else’s hand and check it myself. But in doing so, I neglected to keep an overview of the whole situation, which should have been my job, took away my forewoman’s job and thus her confidence in the situation, and ended up making a mistake myself when attaching the headsail. The result was a bumpy and late start. Fortunately, the start is not so important in a long-distance race.

Furthermore, I completely underestimated the stress that comes with being responsible as skipper for three other people. The night before the regatta, my stomach started grumbling and I suddenly had quite a stomach ache. During the regatta I was close to diarrhoea, had to visit the on-board toilet before and after every watch. And indeed, I slept significantly more than usual in doublehanded mode, but nowhere near as relaxed as when I was with Max or Rasmus, and eventually struggled with microsleep and minor hallucinations on the second night. I trusted my fellow sailors completely and trust them even more now, but it was still an unfamiliar situation to be the main decision-maker on board and to be responsible for the survival of three people in an emergency.

I trusted my team completely, but still it was an unfamiliar situation to be the main decision maker on board and to be responsible for the survival of three people in case of emergency. Although I know the Dehler 30 od really well by now and navigation with our routing software and weather analysis are not a problem for me at all. But in fact Eshana and Toni have spent much more time at sea than I have so far, and therefore have more experience, e.g. in reading lights at night. That’s why I took an example from Otto, skipper on „Ospa“ from Speedsailing. He told me a few weeks ago how important it is that a skipper recognizes when he/she has deficits in some areas and then relies on the knowledge from his/her crew who might be more experienced in that field.

So we often talked through decisions with the whole team, and the result was a really solid race with good strategy, in which we led the Dehler 30 od ranking at least 50% of the time, and once even our whole starting group. What a sensational team performance!

Also, it is only when you are in a crew that you realise how much your own performance decreases when you are tired and exhausted. Of course I noticed myself when I had a microsleep, but the full extent of the consequences that this has on my performance, e.g. when steering, only becomes clear afterwards, or not at all. I therefore give my crew the greatest respect for literally taking over the helm on the second night and sending me below deck and letting me sleep after I had spent two free watches on the first night mainly routing instead of resting and sleeping.

So one point we want to do better next time is to have a clear division of roles. For the aspects that don’t really have anything to do with sailing. A little anecdote from Toni’s time on the Brunel Ocean Racer: There is the „Kitchenqueen“, the person who is responsible for ensuring that snacks are always available, meal times are observed and the galley is kept in order. There is also the „Watermaster“, the person who is responsible for making sure that all the water bottles are always filled and who checks if there is water in the bilge. Then there is the „Stackingking“, the person who is responsible for stacking the sails and the water ballast tanks. There are a thousand little tasks that a skipper doesn’t have to be responsible for and if you delegate them, you can focus on the important things and have less stress.

We have also found that it is not good if the skipper and navigator are one and the same person (again, a habit of mine to take all the responsibility). If there is no other way, because one person just happens to be the only person who feels able to fill these two roles, then this person should either not take part in the watch system, or you should set up extra free watches so that this person can do all their duties properly and still have their rest time.

One last instructive experience I would like to share. As you might expect, the pressure we put on ourselves increased with every mile we led the race. When we rounded Bornholm we made a first mistake, decided to set the gennaker too late and gave away almost two miles of our lead on the second Dehler 30 od, the „Humbolt“ from Offshore Team Germany. After that, Morten and Felix were only 1.5 nautical miles behind us and soI couldn’t enjoy the downwind cross on the north-east side of Bornholm at 20kts, waves to surf and bright sunshine, because I was checking the distance to „Humbolt“ on the AIS every 5 minutes. Of course, I didn’t get a good night’s rest either. Even though it was the middle of the day, I could have laid down and caught up on sleep during my free watch.

After rounding the northern tip of Bornholm, we headed upwind, which later led into a sharp reach. On such courses, the Dehler 30 od benefits from the 200l water ballast. We were not allowed to use this in fully-crewed mode, but the double-handed teams were. So we knew that Morten and Felix, as a double-handed team, would be right on our heels. With a good call to be the first to switch from jib to code 0, we were able to keep them at bay for the time being. Towards the evening, another front (the third in this race) appeared on the horizon and we took a few precautions to be well prepared for any wind shifts and gusts it might bring. Then we all had a quick hot meal, because I know from experience that it can take a long time after the passage of a front for everything on board to get sorted out again so that you can fire up the jetboil and cook and eat dinner. But in spite of all the preparatory considerations, the furling of the Code 0 when we reached the front degenerated into chaos, we shouted at each other, I found myself once again without an overall view on the foredeck and after everything was over, the wind was gone, had turned 90 degrees and the wave, which was still standing from the wind before, made steering difficult. I took over the helm full of adrenaline, but out of sheer excitement I didn’t steer at the edge of the wind, made two really bad tacks and then the „Humboldt“ had already passed us. You can hardly imagine how angry I was at myself at that moment, how irrational I thought of myself, our situation and my fellow sailors. When Anjola took over the helm and I went to the sheet, I didn’t communicate the pressure, which should have been my job, ended up putting the gennaker on the wrong way round, but noticed it before the hoist and gave vent to my anger loudly, which didn’t necessarily help the already depressed mood on board. Even during my free watch, I couldn’t swallow my pride, although I slowly realised how stupid I was acting and how unproductive my behaviour was. Finally, after another wind shift in the dark with a frantic sail change, I was able to pull myself back together, apologise for my behaviour and call on my fellow sailors to take a breath, tick off the difficult hours and focus on the remaining 100 nautical miles. Of course, my admission paid off. Everyone was motivated again and we sailed the race to the end with concentration. Even the lull 3 nautical miles from the finish could no longer stop us from sailing home in a strong 2nd place.

I can only advise anyone who wants to learn something about leadership and responsibility to sail a regatta fully crewed. Of course, as a non-sailor it is difficult to get started, but Speedsailing, for example, offers places on their Ocean Racer yachts every year, with which they also sail the long distance round Bornholm. You can buy a place there even if you don’t have much sailing experience, and it’s guaranteed to be an educational experience. At https://www.speedsailing.de/maritime-events/rund-bornholm-2022.html you can already book your place for 2022 (not a paid advertisement, but my personal recommendation). However, if you like it even more intense and already have some sailing experience, you could also rent or charter a Dehler 30 od or you know someone where you can sail along. These 30-foot yachts are perfect for getting to know all aspects of offshore sailing without forgetting the team aspect. Skippering such a yacht on the long distance around Bornholm, which was unknown to me until then, was an incredible experience for me that will shape my future career.

Finally, I would like to thank the Dehler 30 od Class Association for paying the entry fee for our participation as part of #girlsplayharderoffshore. I am pleased that the class is committed in this direction, and am excited to see how #girlsplayharderoffshore continues! Also, a big thank you goes to Sven Krause from QuantumSails Germany who, despite all the delivery problems, did everything he could to get our new Code 0 to the start line. Even though it was very short notice and there was no time to test the sail before the race, I am now very happy with the design. Max and I were able to commission the new Code 0 thanks to the financial support of Jotun Germany (thanks again!). It is a great addition to our sail set because it covers many true wind angles in winds from 1 to 25 kts. The Code 0 will get a big sticker with the Jotun logo – unfortunately we didn’t manage to stick it on before the race – so we can then blast through the Baltic Sea with penguin power in all weathers!