Kieler Woche Teil 2

Sorry no English Version today, but I’m sure your computer is smart enough to translate it 🙂

Es ist grau in Kiel, heute Morgen hat es sogar geschneit! Jetzt ist aber alles nur noch nass und kalt… das macht nicht wirklich Lust raus zu gehen, aber umso mehr Lust mich mit einer heißen Tasse Kakao vor den Laptop zu setzen und euch über den zweiten Teil unserer Kieler Woche, das Silberne Band, zu berichten. Was für ein Rennen! –  einen kleinen Moment noch – ich mache mir wirklich eine heiße Schokolade… 😊

…Start zum Silbernen Band war am Freitag um 17.00, also einen Tag nach dem Senatspreis. Die Strecke sollte deutlich länger sein und uns westlich an Aero vorbei, um die Nordspitze Avernakos und durch den Svendborgsund, um die Nordspitze Langelands herum und schließlich zurück nach Kiel führen, insgesamt 135sm.

Das Routing am Donnerstagmittag sagte uns, dass wir etwas unter 24h brauchen würden. Der erste Kurs würde ein langer Reach aus der Kieler Förde heraus bis Avernako sein, wobei der Wind etwas auf Süd drehen sollte. Wir entschieden uns also vorm Start den großen roten Gennaker zu ziehen, da nur mäßiger Wind war. Wie die Förde halt so ist, hatten wir mal einen supertiefen Reach, mal konnten wir kaum den großen Gennaker halten. Sobald wir aus der Landabdeckung heraus waren – mittlerweile hatten wir uns wieder einen stattlichen Abstand zum Rest des Feldes erarbeitet – ging Max unter Deck, um schonmal etwas zu schlafen und ich übernahm die erste Wache. Dann merkte ich wie der Wind langsam zunahm. Als Max wieder wach war, berieten wir uns und beschlossen, den Linksdreher antizipierend, den großen Gennaker so lange, wie es mit dem zunehmenden Wind ging, zu halten, wobei wir in den Böen immer etwas abfallen mussten und uns dadurch mit etwas Abstand nach Lee zum Feld wiederfanden, aber diese „Lee-Banane“ würden wir mit Eintreffen des Linksdrehers wieder ausgleichen können. So konnten wir länger im optimalen Geschwindigkeitsbereich mit dem größeren Vorsegel fahren.

Trotzdem war es wieder ein Halbwindkurs „on the edge“, wir mussten sogar reffen und schließlich konnten wir bei immernoch nur 110-120 Grad TWA den großen Gennaker wirklich nicht mehr halten und wechselten auf den kleinen Gennaker. Der Vorsegelwechsel dauerte verhältnismäßig lange, da wir nur ein Paar Blöcke für die Gennakerschot hatten. Also mussten wir wieder abfallen, die Fock ausrollen und den großen Gennaker bergen. Anschließend steuerte Max etwas höher als unseren richtigen Kurs, um mit der Fock optimalen Speed zu generieren, und Meter, die wir durch das Abfallen schon wieder nach Lee gemacht hatten, wieder zurückzugewinnen. Zwar wollten wir einen Leebogen fahren, aber der Linksdreher ließ immernoch auf sich warten, also mussten wir langsam auch zusehen, dass wir nicht zu weit östlich geraten würden. Währenddessen schlug ich den kleinen Gennaker an und als das fertig war, fielen wir wieder ab und setzten den neuen Gennaker.

Der Wind nahm weiter zu und auch mit dem kleinen Gennaker waren wir bald am Limit und entspannt war es sicher nicht, aber wir schafften es, das Boot mit diesem Set Up bis Aero unter Kontrolle zu halten. Irgendwie bekam ich es hin, schonmal etwas zu essen und mich für den ersten Teil der Nacht warm anzuziehen. Aber an Schlaf war nicht wirklich zu denken, mit einer Hand an der Winschkurbel und der anderen am Baumniederholer und ständig auf der Hut vor Böen.

Dann kam endlich der Linksdreher! Tatsächlich hatten wir Sharifa und uns so sehr gepusht und waren so schnell gewesen, dass die neue Mills 45 „Halbtrocken 4.5“, die später nach unglaublichen 18 Stunden als erste die Ziellinie überquerte, uns erst an der Nordspitze Aeros überholte. Bei Avernako konnten wir Halsen und rasten nun mit südlichem Wind auf Steuerbordbug auf den Svendborgsund zu.

Nun, wer meinen Bericht vom Silverrudder gelesen hat, weiß, dass hier sowohl auf der Seite Fünens als auch auf der Seite Avernakos, Skaro und wie die Inseln noch alle heißen, diverse Untiefen lauern. Noch mussten wir also beide an Deck bleiben, da keiner von uns in diesem Küstengebiet unter Autopilot segeln wollte und wir ständig die Karte und unseren Kurs überprüfen mussten. Sowieso war die Benutzung des Autopilots während des gesamten Events auf die Benutzung in Notsituationen, wenn es nicht anders ging, limitiert. Max steuerte also konzentriert, während ich gelegentlich wieder die Großschot, den Baumniederholer und die Gennakerschot fieren musste und alle paar Minuten die Karte checkte. Mittlerweile war es stockfinster, viele beleuchtete Tonnen gibt es dort nicht und irgendwelche besonderen Landmarken, an denen man sich orientieren könnte, auch nicht. Blieben nur wir, Navionics und der Kompass.

Und dann knallt es plötzlich, ich habe keinen Druck mehr auf der Gennakerschot und wir hören den Gennaker wie wild im Wind flattern. Was nun? Autopilot an, die Klemme des Gennakerfalls auf, aber das Fall bloß nicht loslassen, Max und ich sind auf dem Bug und versuchen den bei 20kts wild um sich schlagenden Gennaker zu fassen zu kriegen und an Deck zu zerren, während einer von uns langsam das Fall fiert. Ein ziemlicher Adrenalin-Kick für uns beide, denn abfallen und entspannt bergen ist unmöglich, weil das Land in Lee zu dicht ist. Es gelingt! Wie durch ein Wunder – oder vielleicht auch einfach durch eine großartige Teamleistung. Wir lassen beide etwas Blut bei der Aktion, aber wenigstens ist der Gennaker nun sicher unter Deck verstaut.

Ich checke schnell die Karte, wir rollen die Fock aus, die auf diesem Kurs das deutlich entspanntere Segel ist, und Max übernimmt wieder das Steuer. Aber wir wären nicht VmaxMixed, wenn wir mit einem durchschnittlichen Speed zufrieden wären. Und so diskutieren wir, nachdem wir einmal kurz durchgeatmet haben, ob wir den kleinen Gennaker wieder setzen oder bis zum Eingang in den Svendborgsund, in dem wir für ein kurzes Stück sowieso den großen Gennaker ziehen müssen, mit der Fock weitersegeln. Es sind noch 4sm bis dorthin. Schließlich haben wir entschieden. Ich weise gebe Max ein Update über die Navigation, mit dem er die nächsten Minuten sicher steuern kann und begebe mich auf das Vorschiff, um den Gennaker wieder anzuschlagen. Wir fallen ab, um das Vorsegel zu setzen und nehmen unseren Ritt auf Messers Schneide wieder auf. Wir pushen hart, denn es gibt noch die kleine Chance: Wenn wir dieses Rennen weit genug vor der „Halbtrocken“ mit Knut und Nils beenden, können wir die Meisterschaft gewinnen!

Was danach passiert, fällt unter die Kategorie „zu müde um mich zu erinnern“. Haben wir noch auf den großen Gennaker gewechselt? So wie ich Max kenne, sicherlich. Er ist in dieser Hinsicht wie Alex Thomson. Wenn das Boot nicht optimal schnell segelt, ist er nicht zufrieden. Und schließlich mussten wir immernoch versuchen so weit wie möglich vor unseren Konkurrenten auf der First 36.7, der anderen „Halbtrocken“ zu bleiben, bevor es auf die endlos lange Kreuz nach Hause ging. Eine gute Meile nach Svendborg überholt uns die Swan 45 „Katima“ mit unserem Team Coach Timmy!

Bei Svendborg macht der Svendborgsund einen 90Grad Knick, sodass wir auf die Fock wechseln und nun kreuzen. Bis wir das enge Fahrwasser endlich verlassen, gilt es die nächste Entscheidung zu treffen: großer oder kleiner Gennaker für die 2 Meilen bis Thuro Rev? Da wir uns in der Abdeckung Thuros und Langelands bewegen würden und somit mit weniger Wind rechnen konnten, entschieden wir uns für den großen Gennaker. Wenn wir damit den kurzen Reach überständen, könnten wir ohne erneuten Segelwechsel auf den Vorwind zur Nordspitze Langelands abbiegen.

Nach haarsträubenden 13 Minuten runden wir Thuro Rev zusammen mit zwei anderen Booten aus der Full Crew ORC Gruppe. Endlich, endlich kann ich mich etwas schlafen legen. Die letzten paar Stunden habe ich zweimal, dreimal ein- und ausgerefft? Ich weiß es nicht mehr. Und die Nerven wollen und wollen sich einfach nicht beruhigen. Auf dem AIS sehen wir, wie unser Abstand geschrumpft ist und weiter und weiter schrumpft. Etwas Schokolade hebt die Stimmung wieder. Noch eine schwierige Entscheidung gilt es abzuwägen, unsere vielleicht letzte Chance noch einmal Abstand herauszufahren, dann geht es auch schon auf die Kreuz. In Verlängerung Langelands verläuft die Untiefe „Langesand“, die wenn man sie frühzeitig quert, die gesegelte Strecke erheblich verkürzt. Es gibt einige Stellen, die tief genug sind, dass eine Yacht mit Sharifas Tiefgang sie passieren kann, aber nach den Erlebnissen der Nacht wollen wir nichts mehr riskieren. Diese Durchfahrten sind mit 0,5m flachen Untiefen gespickt wie ein Minenfeld, und ich wusste, wir würden es nur schaffen, wenn wir unseren Kurs würden halten können und nicht wegen irgendwelcher Böen abfallen mussten. Ich suchte also eine Durchfahrt, die wir mit einem komfortablen TWA durchfahren konnten, sodass wir eher etwas unterpowert durch die Enge navigieren würden.

Wir erreichten die andere Seite problemlos.

Was folgte, war eine der anstrengendsten Kreuzen meines Lebens. Schon gewusst? Langeland heißt Langeland, weil es ganze 28sm lang ist – und danach war die Kreuz noch nicht vorbei. Das war lediglich das Stück, wo unter Land weniger Welle war, sodass es sich durchaus lohnte, regelmäßig zu wenden. Die Zeit zwischen den Wenden nutzten wir, um endlich abwechselnd etwas zu schlafen und später zum Frühstücken. So verbrachten wir also den Rest der Nacht und die frühen Morgenstunden, Knut und Nils mit der „Halbtrocken“ mussten wir leider vorbeiziehen lassen. Am Wind sind die beiden mit ihrer First 36.7 einfach unschlagbar. Gegen späten Vormittag konnten wir endlich Langeland hinter uns lassen.

Das bedeutete aber auch, dass keine Landabdeckung uns mehr vor der kabbelig steilen Ostseewelle und den 25-30 kts schützte, die am Leuchtturm von Langeland auf uns warteten. Wir gingen aufs erste Reff und kurze Zeit später aufs zweite. Wir wagten nicht auf die Sturmfock zu wechseln, da wir befürchteten dann gar nicht mehr über die steilen Wellen zu kommen. Nachdem ich einige Zeit gesteuert hatte, wurde Max etwas seekrank und steuerte die restlichen 6 Stunden bis Kiel Leuchtturm, wo die Welle sich wieder so weit beruhigte, dass er den Großtrimm übernehmen, bzw. sich etwas ausruhen konnte.

Währenddessen zog eine Sturmfront auf, wie sie selbst für Kiel nicht alltäglich ist. Böen bis zu 37kts warfen Sharifa auf die Seite, im nächsten Moment hatten wir wieder 18kts, nur um im nächsten Moment von der nächsten Böe erfasst zu werden. Dann fing es an zu regnen, so sehr, dass man nichts mehr sehen konnte. Bis wir das Ziel erreichten, flaute der Sturm jedoch wieder ab, sodass wir bei gerade mal 5kts über die Ziellinie glitten.

Unter Motor und Autopilot machten wir uns auf den Weg zurück nach Strande. Den Deutschen Meister Titel hatten sich Knut und Nils mit der First 36.7 gesichert. Die Bestätigung, dass wir uns den zweiten Platz gesichert hatten, bekamen wir erst abends. So lange dauerte es, bis unsere anderen Gegner, die teilweise auf Schiffen unterwegs waren, die vergleichsweise noch weniger fürs Kreuzen ausgelegt sind als die L30, durchs Ziel gingen.

Was für uns am Ende dieser Kieler Woche am meisten zählte, waren die Fehler, die wir gemacht hatten und was wir daraus gelernt hatten. Auf unserem phänomenalen Reach von Kiel nach Avernako und zum Svendborgsund hatten wir uns und Material zu viel abverlangt. Das ständige Fieren des Gennakers hatte dazu geführt, dass ein geknoteter Tampen im Gennakerschothorn, an dem die Gennakerschoten befestigt waren, aufging. Die Tatsache, dass wir uns in der offenen See so sehr gepusht hatten, resultierte darin, dass keiner von uns beiden mehr fit genug war, um eine Top Performance abzuliefern, als das Gewässer komplizierter wurde.

Mit unserer Strategie, den größtmöglichen Vorsprung auf dem Weg bis zur Nordspitze Langelands rauszufahren und uns anschließend auf der Kreuz auszuruhen, hatten wir unsere Kräfte überschätzt. Aber wenn ihr mich fragt, ist dies eine der lehrreichsten Erfahrungen, die man während seiner Offshore-Segelkarriere machen kann – am besten so früh wie möglich.

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