Geburtstag auf See

Was macht man, wenn man 21 wird? Genau! Man schmeißt eine fette Party! Am nächsten Tag wacht man dann verkatert auf und muss sich erstmal mit einem Mittagsschläfchen von den ganzen Feierlichkeiten erholen. Nur ein kleines bisschen anders sah mein 21. Geburtstag vor zwei Wochen aus.

Ich stand um 6.30 Uhr auf, um zu frühstücken und ein paar letzte Sachen zu packen, dann ging es nach Strande denn um 9.00 uhr wollten wir auslaufen zum Manöver- und Speedtraining mit Timmy Kröger im Rahmen des 6. DSV Doublehand Offshore Trainings.

Dieses Mal segelte ich mit Sverre Reinke, mehrmaligem Europe Deutschen Meister. Gerade als wir ablegen wollten, gab es noch eine Geburtstagsüberaschung für mich: Alica und Hannah und Hannahs Schwester Anna kamen mit einem Ständchen, Kuchen und dem besten Kaffee der Stadt auf den Steg um mir noch schnell zu gratulieren!

Dann fuhren wir einige Male auf der Förde Hin und Her und verglichen Segeltrimms mit dem einzigen anderen Boot, der Dehler30 „Joint Venture“ was noch am Training teilnahm. Das Ganze stellte sich als mehr oder weniger sinnvoll heraus, da wir ja unterschiedliche Schiffe segelten. Nachdem der Wind über Mittag relativ schnell einschlief, wurde der Start zur ca. 90sm Langstrecke kurzfristig von 16.00 auf 13.35 vorverlegt, aber leider waren Sverre und ich noch nicht optimal eingespielt und legten einen eher mäßigen Start hin. Die ersten drei Bahnmarken rundeten wir daher auch weit hinter der Dehler. Bis einige sm vor Pöhls Rev dauerte der schwache Wind an, was unserer nur 2t schweren L30 theoretisch einen kleinen Vorteil gegenüber der 1t schwereren Dehler30 verschaffen sollte.

Obwohl wir viel ausprobierten, um bei dem wenigen Wind das maximale an Speed rauszuholen, fanden wir nicht wirklich den richtigen Modus. Zwischen Eckernförde und Schleimünde schaffte ich es zumindest ein paar Geburtstagsanrufe zu beantworten, dann nahm der Wind endlich wieder zu und bei Pöhls Rev angelangt, konnten wir bei guten 20kts den großen Gennaker ziehen. Mit 10-11kts Durchschnittsspeed ging es 25sm bis zur Südspitze von Langeland. Zwischendurch gab es noch mein Geburtstagsdinner: Gefriergetrocknetes Chicken Tikka Masala. Trotz der aufziehenden Front hatten wir immer wieder Perioden mit sternenklarem Himmel und im Strom unseres Kielwassers schwammen Schwärme von diesen kleinen Quallen, die durch Wasserbewegung fluoreszieren. Solche Momente, wie auch der Sonnenuntergang, den wir früher am Abend noch erleben durften, sind die Plackerei auf dem Wasser jedes Mal wieder wert. Und leider sind sie im Herbst/Winter sogar noch viel viel schöner – wenn es nachts so richtig kalt ist!

Gerade rechtzeitig kamen wir bei der DW61, unserer Bahnmarke südlich von Langeland an, denn kurz nachdem wir den Gennaker runtergeholt und die Marke gerundet hatten, um wieder auf Amwindkurs anzuluven, frischte der Wind auf 23kts auf und nahm im Verlauf der folgenden 5h Kreuz auf teilweise 32kts zu. Die Welle war nur 1,5m hoch – wenn überhaupt (man überschätzt das meist – aber unglaublich steil. Manchmal wurde Sharifa auch einfach von einer Welle in die Luft geworfen, ohne dass wir irgendetwas dagegen hätten ausrichten können. Sowas ist mir bisher nur in der Jolle passiert. Jeder Lasersegler kennt das Phänomen von einer brechenden Welle durch die Gegend geschubst zu werden und dabei zu hoffen, nicht auf dem nächsten Coachboot zu landen.

Mittlerweile war mein Geburtstag auch offiziell vorbei. Um ein bisschen Schlaf zu bekommen, wechselten Sverre und ich uns mit Steuern ab, denn der Autopilot hätte diese Wellen niemals aussteuern können. Oder zumindest kannte ich noch keine Einstellung, bei der ich beruhigt hätte das Steuer loslassen können. So war immer einer an Deck und der andere versuchte in der Rohrkoje für 45min die Augen zu zu machen. Das war bei dem Stampfen und Schlagen gar nicht so einfach.

Aber länger als 25min habe ich es unten sowieso nicht ausgehalten, denn wenn du lange nur liegst und dich entspannst wird dir kalt. Da tat es gut, dann immer wieder mal zu steuern, was ja in der Welle schon anspruchsvoll war und einen daher immer wieder aufwärmte. Schließlich musste man nicht nur das Boot auf Kurs halten, sondern auch aufpassen, nicht selbst aus dem Boot katapultiert zu werden.

Unsere nächste Bahnmarke war die Ansteuerungstonne Schleimünde. Dort hatte das anstrengende Kreuzen endlich ein Ende und wir konnten auf dem anschließenden Reach wieder ausreffen und setzten, nachdem wir das Sperrgebiet vor Damp passiert hatten, den Code 0. Im Nachhinein waren wir eigentlich ganz schön untertakelt, aber so dicht unter Land mit der letzten 32kts Böe noch in den Knochen, wollten wir nicht riskieren, mit dem großen Gennaker ein Disaster zu produzieren. Mit der Rundung der letzten Tonne – Kleverberg Ost – ging dann langsam die Sonne wieder auf, obwohl es so grau war, dass man das kaum bemerkte. Aber wir konnten zumindest wieder etwas sehen.

Wieder zu Hause genoss ich erstmal eine heiße Dusche und holte dann mein Geburtstagsfrühstück mit meinem Freund nach. Den Nachmittag hatte ich dann sogar frei, da das Debrief auf eine Online Konferenz am Montag verschoben worden war. Also hätte ich meine freie Zeit mal für eine schöne Post-Geburtstagsaktivität nutzen können. Leider war ich aber, nachdem ich die Nacht maximal 1,5h unruhig gedöst hatte, so müde, dass mein Powernap den ganzen Nachmittag andauerte…

English Version

What do you do when you turn 21? Exactly! You throw a big party! The next day you wake up hungover and have to recover from all the festivities with an afternoon nap. My 21st birthday two weeks ago looked only a little different…
I got up at 6.30 a.m. to have breakfast and pack a few last things, then I was off to Strande because at 9.00 a.m. we wanted to leave for maneuvers and speed training with Timmy Kröger as part of the 6th DSV Doublehand Offshore Training.
This time I sailed with Sverre Reinke, multiple German champion in the Europe Class. Just as we were about to take off, there was a birthday surprise for me: Alica and Hannah and Hannah’s sister Anna came to the jetty with a serenade, cake and the best coffee in town to quickly congratulate me!
After that we drove back and forth on the fjord a few times and compared the sail trim with the only other boat that was still taking part in the training – the Dehler30″Joint Venture“.

With significant differences between the boats speed testing didn’t quite make that much sense. And after the wind fell asleep relatively quickly during midday, the start of the approx. 90nm long distance race was brought forward from 16.00 to 13.35 at short notice, but unfortunately Sverre and I were not yet in sync with each other and had a rather mediocre start. We therefore rounded the first three marks well behind the Dehler. The weak wind continued until a few nm before Pöhls Rev, which should theoretically give our 2t heavy L30 a small advantage over the 1t heavier Dehler30. Although we tried a lot to get the maximum speed out of the little wind, we didn’t really find the right mode. Between Eckernförde and Schleimünde I managed to answer at least a few birthday calls, then the wind finally picked up again and when we arrived at Pöhls Rev, we were able to pull the big gennaker in a good 20kts. With an average speed of 10-11kts we had a blast on our 25nm to the southern tip of Langeland. In between there was my birthday dinner: Freeze-dried Chicken Tikka Masala. Despite the building front, we always had periods of clear starry skies and swarms of small jellyfish swam in the stream of our wake, which fluoresced due to the movement of the water. Such moments, aswell as the sunset, which we were lucky to experience earlier in the evening, are worth the drudgery on the water every time. And unfortunately they are even much more beautiful in autumn / winter – when it’s really cold at night!
We arrived at the DW61, our mark south of Langeland, just in time, because shortly after we had brought down the gennaker and rounded the mark in order to go upwind again, the wind picked up to 23kts and even upt to 32kts in the following 5hrs. The waves were only 1.5 m high – if even that (you usually overestimate it) – but incredibly steep. Sometimes Sharifa was simply thrown into the air by a wave without us being able to do anything about it. Every laser sailor knows the phenomenon of being pushed around by a breaking wave and hoping not to land on the next coach boat.
Meanwhile, my birthday was officially over. To get some sleep, Sverre and I took turns steering, because the autopilot could never have controlled these waves. Or at least I didn’t know any configuration that would have allowed me to relax and let go of the wheel. So one was always on deck and the other tried to sleep for 45 minutes in the bunk. It wasn’t that easy with the pounding and slamming.
But I couldn’t stand it for more than 25 minutes anyway, because if you just lie down for a long time and relax, you get cold. It felt good to steer every now and then, which was quite demanding in the waves and therefore always warmed you up. After all, you not only had to keep the boat on course, but also be careful not to have yourself being thrown out of the boat.


Our next mark was the Schleimünde approach buoy. There the strenuous upwind finally came to an end and we were able to hit the next reach again and after we had passed the restricted area in front of Damp, we set the code 0. In retrospect, we were actually quite underpowered but so close to the shore with the last 32kts gust still in the bones, we didn’t want to risk causing a disaster with the big gennaker. With the rounding of the last mark – Kleverberg Ost – the sun slowly rose again, although it was so grey that you hardly noticed it. But at least we could see something again.

Back home, I first enjoyed a hot shower and then caught up my birthday breakfast with my boyfriend. I even had the afternoon free because the debrief had been postponed to an online conference on Monday. So I could have used my free time for a nice post-birthday activity. Unfortunately, after I had dozed restlessly for a maximum of 1.5 hours that night, I was so tired that my power nap lasted the whole afternoon …

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