Am Ende wird alles gut und wenn nicht ist es noch nicht das Ende

Gerade bin ich 5. bei der Doublehand Mixed Offshore Europameisterschaft in der L30 geworden! Mit Rasmus Töpsch als Co-Skipper ging es auf einem zugelosten Schiff 330sm von Genua nach Korsika, dann um die Inseln Giraglia, Capraia, Pianosa und Elba und via Livorno und La Spezia zurück nach Genua. Insgesamt war es eine sehr pittoreske Strecke mit vielen hübschen Ankerbuchten. Rasmus und ich sind uns einig, für einen Urlaubstörn würden wir auf jeden Fall gerne wiederkommen.

Auch navigatorisch gab der Kurs einiges her. Oft stellte sich die Frage, ob wir uns am Land (am Fels) entlang hangeln und auf lokale Effekte der Landformationen hoffen oder lieber den Schlag raus auf See wagen und dem Wetterrouting folgen sollten. Hierbei hatten wir tatkräftige Unterstützung vom DSV Technikexperten Oli Freiheit, Max und Cord Hall, unserem Wettfahrtleiter bei der Baltic 500 und best buddy von Rasmus. Die drei versorgten uns regelmäßig mit Routingvorschlägen, die wir dann mit den Bedingungen, die wir tatsächlich auf See vorfanden, abgleichen konnten.

Der größte Stressfaktor bei diesem Event war aber für mich/uns tatsächlich nicht das Regattasegeln selbst, sondern die Vorbereitung. Rasmus half nicht nur mir, indem er mit mir segelte und damit meine Teilnahme an der EM möglich machte, sondern er stellte sein eigenes Boot, die Sharifa, dem Veranstalter als Charterboot zur Verfügung. Dadurch konnten mehr Teilnehmer zu dem Rennen zugelassen werden und wir sparten uns die Chartergebühr. Da der Veranstalter unser Schiff nur zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt aus Kiel abholen konnte, und uns das auch erst sehr kurzfristig mitteilte, musste ich innerhalb von 2-3 Wochen ein Auto organisieren, das in der Lage sein würde, unser 3,5t schweres Gespann zu ziehen. Außerdem brauchte ich einen zweiten Fahrer für Hin und Rücktour, da Rasmus bis zum Hals in Arbeit steckte und schon genug von seinen Urlaub für das Event opfern würde. Letztendlich erklärte Max sich bereit mit mir runterzufahren und half mir auch sehr dabei, die Sharifa charterklar zu machen. Da Rasmus einen Teil des Equipments an Bord seinen persönlichen Wünschen angepasst hatte, gab es dabei wiederholte Diskussionen mit der Klasse bezüglich der One Design Kompatibilität der Sharifa, was gehörig an den Nerven zerrte. Irgendwann musste Max seinen Zug bekommen und ich war alleine mit der Verantwortung für die 30ft Yacht und den gemieteten Sprinter. Die Sharifa sollte am nächsten Tag mit den anderen Booten gekrant und alle Segel mit unserem Sprinter zum Race Village gefahren werden (weil der ja so schön groß war). Leider war ich an dem Morgen dann bereits schon so gestresst von der ganzen Situation, dass mir der Schlüssel vom Auto ins Hafenbecken fiel…

Was nun??? Zum Glück war der Sprinter noch offen, aber nun musste ich das Kranen, putzen und überführen der Sharifa mit gefühlten 1000 Anrufen bei Mercedes und dem ADAC jonglieren. Da das Ganze auf einen Sonntag fiel, war die Autovermietung verständlicherweise nicht zu erreichen. Dazu kam noch die Sorge, was ich nun mit dem unabgeschlossenen Auto mit all unseren Sachen darin machen sollte.

Hier endlich half mir die Klasse, der natürlich auch die Zeit im Nacken saß und bereitete für mich das Boot für die kurze Überführung vor, sodass ich mich etwas meinem Auto-Problem annehmen konnte.

Schließlich konnte ich nichts weiter mehr tun außer die Sharifa zum Race Village zu motoren und wie immer, wenn ich auf dem Wasser bin, hob sich schlagartig meine Stimmung als wir ablegten und alle Anspannung fiel von mir ab.

Damit war es aber noch nicht getan, das Auto brauchte noch immer einen neuen Schlüssel und musste das uns zugeloste Boot, die Nummer 14 in Empfang nehmen und alles an Bord auf seine Funktionstüchtigkeit testen. Leider gab es dort noch einige Baustellen, sodass wir, als Rasmus am Montagmittag angereist kam, noch nicht wie alle anderen Teams trainieren konnten. Das spiegelte sich dann im Media/Practice Race am nächsten Tag wieder, welches wir mit riesigem Abstand verloren, da wir weder das Rigg, noch uns auf das Format eingestellt hatten. Das holten wir dann allerdings nach dem Rennen nach und kamen mit einem guten Gefühl zufrieden wieder an Land. Am nächsten Morgen kündigte sich auch die Lösung des Autoschlüssel-Problems an – der Schlüssel sollte noch am selben Tag per Express im Yachtclub ankommen. Eine der Mitorganisatorinnen war sogar so nett und holte das Paket für uns ab und verschloss den Sprinter für uns, sodass wir sorgenfrei in die Regatta starten konnten.

Auch diese kleinen und großen Eskapaden gehören zum Segeln. Natürlich ist es nie angenehm, wenn dir so etwas passiert. Aber mit jedem Mal, das ich vor so einem Problem gestanden habe, habe ich etwas dabei gelernt und mich weiterentwickelt. Und es verschiebt deine Perspektive. Nachdem mir der Schlüssel ins Wasser gefallen war, erschien mir jedes Problem, das das Boot betraf winzig und gar nicht mehr so schlimm.

Ich bin so froh, dass ich während der Vorbereitung Rasmus und Max immer anrufen konnte und dass keiner von beiden es zugelassen hat, das meine wachsende Frustration über die Lage der Dinge dazu führte, dass ich einfach alles hinschmiss und nach Hause fuhr – ging ja auch nicht, da sich das Auto nicht bewegen ließ! 😉 Denn am Ende hat sich das Durchbeißen tausendfach gelohnt: Ich hatte ein tolles Rennen auf einem wunderschönen Revier, bei dem ich sehr viel über Navigation und Startegieplanung gelernt habe und durfte einige der erfolgreichsten Segler der Welt persönlich kennenlernen und gegen sie Segeln!

English Text

I just finished 5th at the Doublehand Mixed Offshore European Championship in the L30! With Rasmus Töpsch as co-skipper we went on a charterboat from Genoa to Corsica, then around the islands of Giraglia, Capraia, Pianosa and Elba and via Livorno and La Spezia back to Genoa. Overall, it was a very picturesque route with many pretty anchorages. Rasmus and I agree that we would definitely like to come back for a holiday.

Navigating around the course was also pretty interesting. Often we had the question arising whether we should stay close to the land (to the rocks) and hope for local effects of the land formations or rather go out to the sea and follow the weather routing. Here we had a lot of support from DSV technical expert Oli Freiheit, Max and Cord Hall, our race officer at the Baltic 500 and best buddy of Rasmus. The three provided us with regular routing suggestions, which we were then able to match with the conditions we actually found at sea.

But the biggest stress factor around this event for me/us was actually not the racing itself, but the preparation. Rasmus not only helped me by sailing with me and thus made my participation in the European Championship possible, but he provided his own boat, the Sharifa, to the organizer as a charter boat. This allowed more participants to enter the race and saved us the charter fee. Since the organizer could only pick up our ship from Kiel at a very unfavorable time, and informed us of this very late, I had to organize a car within 2-3 weeks that would be able to pull our 3.5t heavy boat plus trailer. I also had to find a second driver for the round trip, as Rasmus was in work up to his neck and would already sacrifice enough of his vacation for the event. In the end Max agreed to go down with me and also helped me a lot to make Sharifa ready to be chartered. Since Rasmus had adapted some of the equipment on board to his personal wishes, there were repeated discussions with the class regarding the One Design compatibility of Sharifa, which tugged at the nerves. At some point Max had to get his train and I was alone with the responsibility for the 30ft yacht and the rented Sprinter. Sharifa was to be craned the next day with the other boats and the sails of all boats were planned to  be driven to the Race Village with our Sprinter (because it was so big). Unfortunately, I was already so stressed by the whole situation that I dropped the car key into the water…

What now??? Luckily the sprinter was still unlocked, but now I had to juggle craning, cleaning and delivering Sharifa with 1000 calls to Mercedes and the ADAC. Since the whole thing happened on a Sunday, the car rental was understandably unavailable. Added to this was the concern about what I should do with the unlocked car with all our stuff in it.

Here finally the class helped me, who of course also were short on time and helped me prepare the boat for the short delivery, so that I could take care of my car problem.

Finally, I couldn’t do anything more than motoring Sharifa to the Race Village and, as always, when I’m on the water, my mood suddenly lifted as we launched and all the tension fell off me.

But it was not over there. The car still needed a new key and I had to pick up the boat, the number 14, and test everything on board for its functionality. Unfortunately there were still some problems there, so when Rasmus arrived on Monday lunchtime, we could not train like all the other teams. This was then reflected in the Media/Practice Race the next day, which we lost by miles, as we had neither adjusted the rig nor had gotten used to the boat. However, we made up for that after the race and came back ashore with a good trim and happy. The next morning the solution of the car key problem was announced – the key was to arrive at the yacht club by express on the same day. One of the co-organizers was so nice, picked up the parcel for us and locked the sprinter so we could start the regatta without any worries.

But these small and big escapades are also part of sailing. Of course, It is never pleasant when something like this happens to you. But every time I’ve faced such a problem, I’ve learned something and evolved. And it shifts your perspective. After the key had fallen into the water, every problem that affected the boat seemed tiny and not so bad anymore.

I’m so glad that I could always call Rasmus and Max during the preparation and that neither of them allowed me to just threw everything away with my growing frustration and drove home -actually I couldn’t move the car! 😉 Because in the end all the grit was worth it: I had a great race on a beautiful venue, where I learned a lot about navigation and strategy planning and was able to get to know some of the most successful sailors in the world in person and sail against them!

2 Kommentare zu „Am Ende wird alles gut und wenn nicht ist es noch nicht das Ende“

  1. Gratulation zum 5. Platz – und das auf Angieb, dazu noch mit einem zugelosten Boote und all dem Gedönse mit der Organisation und dem Stress mit dem verlorenen Schlüssel. Da hätten andere längst das Handtuch geschmissen! Chapeau!

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