Schweigen ist einfach, Kommunikation ist Gold

Gerade lese ich das Buch „Crucial Conversations“ von Kerry Patterson, Joseph Grenny, Ron McMillan und Al Switzler. Gleich auf den ersten Seiten merkt man, dass dieses Buch wirklich gut und wichtig ist. Das Thema Kommunikation begleitet mich, seit ich vor einem Jahr angefangen habe, mit Mentalcoach Markus Bauchrowitz zu arbeiten, aber umso mehr, seit ich mit Nadi Böhm zusammen segle und wir noch intensiver von Markus gecoacht werden. Im Juli hat Markus uns in Kiel besucht und wir haben zwei Tage lang Kopf-Blockaden aufgeräumt, unsere Art mit Fehlern umzugehen komplett umgekrempelt und einige Routinen für unser Training gefunden.

Markus Bauchrowitz

Seitdem machen wir jeden Morgen vorm Segeln einen kleinen gegenseitigen Check-In. Auf einer Skala von 1-10 ordnen wir unsere allgemeine Energie – mental und physisch – ein. Dafür haben wir auch einen Idealzustand definiert. Der liegt bei uns etwa bei Sieben. Dann sind wir nicht zu nervös und aufgeregt, aber genug „switched on“. Sind wir nicht bei 7, haben wir individuelle Techniken, um auf 7 zu kommen. Ich z.B. bin morgens manchmal noch etwas lethargisch, gerade, wenn wir, wie zuletzt häufiger am Gardasee, sehr früh aufstehen mussten. Ich mache dann drei Burpees und fühle mich gleich viel wacher.

Manchmal ist es aber auch so, dass einen von uns auf mentaler Ebene etwas beschäftigt, dann ist dieser Check-In ein super Anstoß, um darüber zu reden und in einen Austausch zu kommen. Wenn wir das nicht machen, ist einer von uns beiden auf dem Wasser nicht 100% fokussiert und vielleicht auch schlecht gelaunt. Da wir so eng miteinander arbeiten auf dem Wasser, ist es nicht ungewöhnlich, wenn diese schlechte Stimmung dann auf die andere überspringt. Das ist natürlich ungünstig. Von daher ist es für uns extrem wichtig, alle Störungen schon vor dem Segeln zu besprechen und abzuhaken, sodass wir alles aus uns und der Trainingseinheit herausholen können.

Simon Toplak

Regattasegeln, insbesondere 49er Fx Segeln (meiner Meinung nach) ist schnell und intensiv. Du musst als Team deine Manöver zu 100% perfekt abrufen können, um deinen strategischen und taktischen Plan ausführen zu können. Zudem ist Segeln ein Team- aber kein Kontaktsport. Man hat wenig direkten Kontakt mit den Gegnern, verglichen mit z.B. Handball, wo du deine Gegner ständig berührst. Beim One Design Segeln sitzen zwar alle im gleichen Boot, aber eben nicht im selben Boot. Jedes Team versucht für sich den schnellsten Weg über den Kurs und in Relation zu den Gegnern zu finden und dabei möglichst wenige Fehler zu machen. Dabei gibt es aber wenig Möglichkeiten, seinem Ärger über eine Situation Luft zu machen. Die einzigen Menschen, die da sind und an denen du deine Frustration „auslassen“ könntest, sind deine Crew und du selbst.

Kassian Jürgens

Gehörst du eher zu den Menschen, die den Fehler bei den Menschen um sie herum suchen oder bei sich selbst? Ich kann dir sagen, es ist weder gut, den eigenen Frust an deinem Segelpartner auszulassen, noch dir selbst ständig auf die Mütze zu hauen. Und auf dem Wasser, gerade in diesen schnellen Bootsklassen, wo sehr viel gleichzeitig oder zumindest innerhalb sehr kurzer Zeit passiert, gibt es viel, worüber man sich aufregen kann, vor allem am Anfang, wenn man noch viel zu lernen hat.

Was hilft, damit sich gar nicht erst Frustration anstaut? Zum ersten der korrekte Umgang mit Fehlern (mehr dazu in unserem Girls for Paris Social Media Post vom 24.09.2021). Zum Zweiten Kommunikation. Was für eine Überraschung. Es ist kein Geheimnis, dass gesunde Kommunikation gut ist, um einen klaren Kopf zu bewahren und dass sie der Schlüssel zu guten Beziehungen ist. Aber die wenigsten Menschen wenden dieses Wissen konsequent an. Wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, unangenehme Dinge anzusprechen, offen und ehrlich unsere Gefühle zu kommunizieren und zuzuhören, ohne die Gefühle des anderen persönlich zu nehmen.

Deswegen scheint es oft einfacher zu schweigen, und die Situation auszusitzen. Kann man machen, Schweigen ist aber tödlich in einer Sportart, die so sehr von Kommunikation lebt. Die Steuerfrau auf dem 49er Fx ist blind, wenn die Vorschoterin nicht den Wind und den Druck am Boot ansagt und die Vorschoterin trifft die nächste Wende völlig unvorbereitet, wenn die Steuerfrau sie nicht über die Strategie und Taktik auf dem Laufenden hält. Wir können es uns nicht leisten, wenn einer von uns „zu macht“, weil wir uns über uns selbst ärgern. Kommunikation ist unsere größte Stärke, aber ohne Kommunikation sind wir nichts. Mit Markus haben wir deswegen eine kleine kurze Nachbesprechung eingeführt, die wir nach jeder Trainingseinheit machen, um mit allem, was auf dem Wasser passiert ist, aufzuräumen: 1. Biggest Learning? 2. Was fand ich besonders gut? 3. Was wünsche ich mir noch? So haben wir eine Routine, die eine Teamkultur von offener Kommunikation kreiert. Gesunde Kommunikation wird zur Gewohnheit. Zwar ist es nicht immer einfach, über diese Dinge zu sprechen, aber hinterher fühlen wir uns umso besser.

Markus Bauchrowitz

Es gibt unzählige unterschiedliche Methoden, die dabei helfen eine Routine zu entwickeln, aus der dann eine offene Kommunikationskultur erwächst. Meiner Meinung nach lohnt es sich für jedes Team, an seiner Kommunikation zu arbeiten – egal ob in der Sportmannschaft oder mit den Kollegen im Unternehmen. Markus ist dafür unser Ansprechpartner Nummer 1. Mehr über seine Arbeit findet ihr auf seiner Website (Markus sponsert uns mit seinem Coaching, aber ich würde sein Coaching auch so jedem wärmstens empfehlen).

English Version

Silence is easy, communication is gold

I am currently reading the book Crucial Conversations by Kerry Patterson, Joseph Grenny, Ron McMillan and Al Switzler. Right from the first pages you can tell that this book is really good and important. The topic of communication has followed with me since I started working with mental coach Markus Bauchrowitz a year ago, but even more so since I’ve been sailing with Nadi Böhm and since we’ve been coached even more intensively by Markus. In July Markus visited us in Kiel and we spent two days clearing up mind blockades, completely turning  around our way of dealing with mistakes and finding some new useful routines for our training.

Since then, we do a little mutual check-in every morning before sailing. On a scale of 1-10 we rank our general energy – mental and physical. We have also defined an ideal state for this. For us it is around 7. Then we are not too nervous and excited, but enough „switched on“. If we are not at 7, we have individual techniques to get to 7. I, for example, am sometimes still a bit lethargic in the morning, especially if we had to get up very early, like recently more often at Lake Garda. I then do three burpees and immediately feel much more awake.

Sometimes, though, something is bothering one of us on a mental level, and then this check-in is a super push to start talking about it. If we don’t do that, at least one of us won’t be 100% focused on sailing and may be in a bad mood. Since we work so closely together on the water, it‘ not uncommon that the bad mood then will spill over to the other. That is of course not ideal. That’s why it’s extremely important for us to discuss and tick off any distractions before sailing, so that we can get everything out of ourselves and the training session.

Racing, especially racing in the49er Fx (in my opinion) is fast and intense. You need to be able to execute your manoeuvres 100% perfectly as a team in order to execute your strategic and tactical plan. Also, sailing is a team sport but not a contact sport. You have little close contact with your opponents, compared to e.g. handball, where you constantly touch your opponents. When racing each team tries to find the fastest way over the course and in relation to the opponents and to make as few mistakes as possible. However, there are few possibilities to get rid of one’s anger about a situation. The only people around to „vent“ your frustration on are your crew and yourself. Are you one of those people who tend to blame the people around them, or do you blame yourself? I can tell you, it’s not good to take out your frustrations on your sailing partner, nor is it good to constantly beat yourself up. And on the water, especially in these fast boat classes where a lot is happening at the same time, or at least within a very short time, there is a lot to get upset about, especially in the beginning when you still have a lot to learn.

What helps to prevent frustration from building up in the first place? Firstly, dealing with mistakes correctly (more on this in our Girls for Paris social media post from 24.09.2021). Secondly, communication. What a surprise. It’s no secret that healthy communication is good for keeping your mind clear and is key to good relationships. But few people consistently apply this knowledge in day-to-day life. We simply aren’t used to addressing uncomfortable things, communicating our feelings openly and honestly, and listening without taking the other person’s feelings personally. That’s why it often seems easier to keep quiet and sit out the situation. You can do that, but silence is deadly in a sport that relies so much on communication. The helmswoman on the 49er Fx is blind if the crew doesn’t call the wind and pressure on the boat, and the crew is completely unprepared for the next tack if the helmswoman doesn’t keep her informed of the strategy and tactics. We can’t afford that one of us „shuts down“ because we’re annoyed with ourselves. Communication is our greatest strength, but without communication we are nothing. That’s why, with Markus, we’ve implemented a short debrief we do after each training session to clear up everything that happened on the water: 1. Biggest learning? 2. What did I like most? 3. What do wish for next? Like that, we have a routine that creates a team culture of open communication. Healthy communication becomes a habit. Though it’s not always easy to talk about these things, we feel all the better afterwards.

There are countless different methods that help to develop a routine from which an open communication culture then grows. In my opinion, it is worthwhile for every team to work on its communication – whether it’s with your sports team or with colleagues in the company. Markus is our number one contact for this. You can find out more about his work on his website (Markus sponsors us with his coaching, but anyway I would highly recommend his coaching to anyone).

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