Wenn Max keine Zeit hat mit Lena segeln zu gehen, dann geht Lena halt allein segeln!

Meine erste Einhand-Segelerfahrung:

Man sollte meinen als Lasersegler sei man daran gewöhnt, allein zu segeln – keine große Sache also, wenn ich das mit der Sharifa auch mal probiere. Oder?

Foto/photo: Kassian Jürgens https://www.segel-fotos.com/

Man nehme die doppelte Länge des Lasers, das ca. fünffache an Freibord, die doppelte Masthöhe und packt noch 5 weitere verschiedene Segel oben drauf, von denen man mindestens 3 gleichzeitig fahren kann. Dass zu den 5 Segeln auch noch jeweils Schoten, Fall, Tackline usw. gehören, sollte ich vielleicht auch noch erwähnen. Und nicht zu vergessen: die zwei Backstagen, von denen bei jedem Manöver eines losgemacht und das andere angezogen werden soll. Jetzt habt ihr eine Vorstellung von der L30 und fragt euch wahrscheinlich, wie in aller Welt man das alles alleine managen soll. Irgendwer muss schließlich auch noch steuern. Dafür hat die Sharifa zum Glück den Autopiloten. Aber auch den kann und muss man quasi wie ein Segel „trimmen“ und je nach Kurs und Windstärke anders einstellen.

Quelle/source: https://l30class.org/l30-one-dsign/

Das Abenteuer fängt schon damit an, dass man ohne Hilfe ablegen und aus dem Hafen rausfahren muss. Also Motor an, vier Festmacherleinen los und dann, mit ein wenig Motorantrieb, ziehen und drücken, das Boot aus der Box manövrieren. Dann heißt es schnell Strömung an die Ruderblätter bekommen, damit man Ruderwirkung hat und der hohe Rumpf nicht vom Wind seitlich in die Poller gedrückt wird. Das war übrigens der Hauptgrund, weshalb ich nur bei maximal 10kts alleine segeln gehen wollte. Je weniger Wind, desto weniger Risiko wegzudriften.

Mein gesamtes Manöver wird mit Argusaugen von den übrigen Bootseignern (vornehmlich männlich und deutlich älter und erfahrener als ich) beäugt. Eine falsche Ruderbewegung und ich könnte mich in einer sehr ungünstigen Position wiederfinden. Das nennt man dann Hafenkino, wird im schlimmsten Fall recht teuer und alle Besitzer der Boote, die um mich herum liegen, hoffen nur, dass es nicht seine Yacht trifft.

Da ich die Sharifa wohlbehalten aus der wirklich schmalen „Pappelallee“, dem Raum zwischen den Stegen, heraus manövriere, gibt es für den Moment kein Hafenkino und alle entspannen sich wieder. Mein Puls geht auch langsam von 180 wieder in den normalen Bereich und aus der ein oder anderen Ecke bekomme ich sogar einen Daumen hoch!

Sobald ich aus der Hafeneinfahrt heraus bin, schalte ich den Autopiloten an und lasse ihn in den Wind steuern, um das Groß hochzuziehen.  Dabei muss ich darauf achten, dass das Top nicht an den Backsstag-Systemen hängen bleibt. Sobald das geschafft ist, mache ich den Motor aus, rolle die Genua aus und wir segeln!

Da der erste Schlag ein Vorwind ist, kann ich mich gleich mit etwas auseinandersetzen, was ich schon lange trainieren wollte – Halsen unter Autopilot. Zum Üben probiere ich das Ganze erstmal ohne Gennaker und nutze die Genua als Attrappe. Ich probiere viel mit Ruderausschlag und Abfallwinkeln herum, was auf dem AIS Tracking ein paar komische Linien hinterlässt.

Teil 2 inklusive Anlegemanöver folgt morgen!

English Version

If Max does not have time to go sailing with Lena, then Lena goes sailing on her own!

My first single-handed sailing experience:

One would think that as a Laser sailor you are used to sailing alone – so no big deal, if I tried this with Sharifa. No?

Take twice the length of the Laser, about five times the freeboard, double the mast height and put another 5 different sails on top of it, of which you can use at least 3 at the same time. I should perhaps also mention that the 5 sails also include sheets, halyards, tacklines, etc. And not to forget the two backstays, of which one is to be eased with each manoeuvre and the other to be pulled on. Now you have an idea of the L30 and probably wonder how on earth to manage it all on your own. After all, someone must steer. Luckily, The Sharifa has an autopilot. But even this can and must be “trimmed” like a sail and must be adjusted depending on the course and wind strength.

The adventure starts with having to leave the box and getting out of the harbour all by yourself. So, turn on the engine, take four mooring lines off and then, with a little bit of engine power, pull and push the boat out of the box. Then quickly get some flow on the rudder blades, so you can steer and the tall hull is not pushed sideways into the bollards by the wind. By the way, this was the main reason why I only wanted to sail alone in a maximum of 10 kts. The less wind, the less risk of drifting sideways.

My entire manoeuvre is being argus-eyed by the other boat owners (mainly male and much older and more experienced than me). One wrong rudder movement and I could find myself in a very unfavourable position. That’s what we would call the harbour cinema and in the worst case it becomes quite expensive and every owner of the boats that are anchored close to me just hopes that I will not hit their yacht.

But I manage to manoeuvre Sharifa safely out of the really narrow space between the jetties so there is no harbour cinema for the moment, and everyone can relax again. My pulse also slowly slows from 180 back to the normal range and from one or the other corner I even get a thumbs up!

As soon as I am out of the harbour entrance, I turn on the autopilot and let it steer into the wind to pull up the mainsail.  I must make sure that the top does not get stuck on the check stays (parallel to the deck, pull the back stays forward and thus straighten the mast). As soon as that is done, I can turn the engine off, furl out the Genoa and we are sailing!

Since the first beat is a downwind, I can immediately work on something that I wanted to try for a while – gybes under autopilot. For getting started, I am trying the whole thing without Gennaker and use the Genoa as a dummy. I experiment a lot with rudder angle and speed through the manoeuver, which leaves a few weird lines on the AIS tracking.

Second part to be launched tomorrow!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s