The Nations Trophy

Mein zweites Event in der Clubswan 50 war die Nations Trophy, wieder in Palma de Mallorca. Dieses Mal fühlte sich alles schon viel routinierter an: Ich kannte die Crew, den Yachtclub, in dem Niramo liegt, die Abläufe an Bord und meine Aufgaben. Eines war jedoch neu, wir würden mit einem anderen Taktiker als bei der Copa del Rey segeln.
Am ersten Tag zurück auf der Insel checkte ich den Computer und alle Displays und Instrumente, damit ich für unser Testsegeln am nächsten Tag bestmöglich vorbereitet war. Ansonsten gab es nicht viel zu tun, aber ich unterhielt mich mit einigen Seglern aus anderen Crews am Dock und knüpfte neue Kontakte, die sich später als sehr wichtig herausstellen würden. Aber dazu bald mehr!
Das Segeln am nächsten Tag war einfach nur schön. Wir hatten 10-12kts Seabreeze, Sonnenschein und etwas Welle. Da die Hälfte der Crew noch bei der Maxi WM in Porto Cervo war, und erst am Abend ankommen würde, konnten wir ohnehin nicht effektiv trainieren, testeten alle Systeme, Instrumente und ein paar Segel und genossen ansonsten einfach die Stunden auf dem Wasser. Solche Tage müssen auch mal sein.

Am ersten und zweiten offiziellen Trainingstag fehlte uns dann nur noch der Taktiker, und ohne Taktiker bzw. ohne einen Entscheidungsverantwortlichen ist es immer echt schwierig und chaotisch Starts und Rennen zu segeln. Also schlossen wir uns nicht den Trainingsrennen der Anderen an, sondern übten ein bisschen, das Boot aus langsamer Geschwindigkeit heraus auf Maximumspeed zu beschleunigen, machten ein paar Angleichschläge mit anderen Booten und perfektionierten unsere Wenden und Halsen. Dabei bekam ich auch die Gelegenheit, ein paar schöne Daten für die Kalibrierung des Wahren Windes zu sammeln und konnte mit meinen Resultaten aus der Auswertung dieser Daten gleich die Kalibrierung verbessern.
Abends hatte ich eine Verabredung mit Kerstin Zillmer vom Float Magazin und wir haben einen wirklich schönen Podcast aufgenommen. Danach gab es nur ein leichtes Abendessen, denn am nächsten Morgen würden wir uns alle offiziell wiegen lassen müssen. Und nachdem die gesamte Crew vorsichtshalber vorher schon einmal zum Test gewogen wurde, waren wir einige Kilos über dem maximalen Crewgewicht für die Clubswan 50. Also mussten alle über Nacht nochmal etwas abnehmen.

Am nächsten Morgen ging ich deswegen auch noch eine Runde joggen. Zum Frühstück gab es nur Kaffee und ein Glas Wasser – und den tagesaktuellen Wetterbericht. Es stand nicht nur das Wiegen, sondern auch der obligatorische Covid-19 Test an. Und um 12.00 liefen wir aus, um vor dem Practice Race um 14.00 noch ein paar Trainingsschläge zu fahren.
Die Zeit bis zum Auslaufen nutzte ich, um mich in Ruhe mit dem neuen Taktiker, Cameron, auszutauschen. Wenn man als Navigator mit einem neuen Taktiker arbeitet, sollte man vorher immer abklären, was derjenige hören will und wie man ihn am besten unterstützen kann. Denn von Taktiker zu Taktiker hat man immer mit leicht unterschiedlichen Arbeitsweisen zu tun. Camerons Ansätze waren tatsächlich auch etwas anders als die von Marc, unserem Taktiker bei der Copa del Rey. Und gerade als junge Navigatorin konnte ich aus diesem Gespräch wieder sehr viel mitnehmen und lernen.
Vor dem Practice Race gab es noch einen zusätzlichen Practice Start, den Cameron nutzte, um ein Gefühl für das Fleet und das Startverhalten der Klasse zu bekommen. Der tatsächliche Start zum Practice Race war dann ein Allgemeiner Rückruf, weil der Großteil des Fleets zum Zeitpunkt des Startsignals schon über der Linie war, aber da es trotzdem ein einigermaßen fairer Start war und wir ja „nur“ das Practice Race segelten, drehte keiner aus der Flotte um. Es war wettermäßig kein typischer Palma Tag. Der Wind war ein instabiler Gradient mit 12-16kts (und teilweise mehr) aus Ost. So hatten wir auf der ersten Startkreuz direkt einen großen Linksdreher und für den ersten Downwind und die zweite Kreuz eine Bahnänderung. Für mich als Navigator sind Bahnänderungen immer etwas stressig, weil ich den Kurs in meinem Computer dann natürlich auch anpassen muss und so eine richtig gute Technik hatte ich dafür noch nicht gefunden. Insgesamt arbeiteten wir aber als Crew sehr gut zusammen und konnten Camerons Game Plan gut umsetzen, sodass wir als zweite durchs Ziel fuhren.

Nach dem Zieldurchgang überraschte ich Cameron noch damit, dass ich, die „young lady“, mit der er die Woche arbeiten würde, mit 21 Jahren für einen Navigator wirklich noch sehr jung war. Solche Momente sind immer sehr beruhigend für mich, da ich dann merke, dass ich wirklich noch Zeit habe, all die unterschiedlichen Fähigkeiten, die man als Navigator abdecken muss, zu erlernen. Denn manchmal erscheint mir das wie eine Mammut-Aufgabe, wahrscheinlich könnte man mit allem, über das du als Navigator Bescheid wissen musst, ein komplettes Bachelor Studium füllen.
Umso dankbarer bin ich, gleich am Anfang meiner Karriere so viele aufgeschlossene Profi-Segler kennenzulernen.

Der erste Wettfahrttag würde tricky werden. Unser lokaler Wetterfrosch war sich selbst nicht so richtig sicher und so stellten wir uns gleich darauf ein, dass wir nicht pünktlich um 12 Uhr starten würden.
Tatsächlich drehte der Wind den ganzen Tag immer wieder um bis zu 90 Grad und fiel ständig unter 6kts (das minimale Windlimit für Clubswan 50 Regatten), sodass die Wettfahrtleitung uns schließlich wieder in den Hafen schickte, ohne dass wir einen einzigen Start versucht hätten.

Den zweiten Wettfahrttag werden wir wohl alle nicht vergessen, obwohl wir ihn gerne vergessen würden. Im Start des ersten Rennens hatten wir eine Kollision mit einem anderen Boot. Im Vergleich zu den anderen kamen wir noch glimpflich davon. Wir hatten Glück im Unglück, denn Niramo war nicht zu sehr beschädigt worden, und das andere Team bekam eine rote Flagge für den Vorfall, sodass wir zwar verspätet und geschockt, aber immerhin mit einer Chance das Rennen noch starten konnten. Trotz halb abgebrochenem Seezaun an Steuerbord, wodurch wir auf Backbordbug nicht voll auf der hohen Kante „hiken“ konnten, schafften wir es, das Rennen als 4. zu beenden. Puhhhh!

Kurz nach dem Zieleinlauf brach der südwestliche Wind zusammen und drehte nochmal 90 Grad nach rechts.

Nach 15-30min Warten etablierte sich nochmal eine leichte Nordbrise, in der wir das zweite Rennen starteten. Wir schafften es, den perfekten Start auf die Linie zu zaubern, nur, dass leider am Start unser Gennakerbaum minimal über die Linie ragte und vom Pinnend aus zu sehen war. Bis die Wettfahrtleitung unsere Bugnummer durchgesagt hatte, und wir Klarheit darüber hatten, dass wir als Frühstarter eingestuft wurden, dauerte es eine gefühlte halbe Ewigkeit und bis wir uns aus dem kleinen Päckchen aus Booten um uns herum befreien und umdrehen konnten, um uns zu bereinigen, hatten wir schon ordentlich Meter auf die Boote, die nicht umdrehen mussten, verloren. In der immer weiter abnehmenden Brise versuchten wir noch Plätze wieder gut zu machen, aber am Ende hatten wir so wenig Wind, dass ich mich nicht einmal mehr traute, die Split Times zum Ziel anzusagen, weil die einfach nicht weniger wurden und diese Info dann nicht unbedingt motivierend für die Crew war. Wir schafften es zumindest, das Rennen noch im Zeitlimit zu beenden und stellten uns für den Fall der Fälle schonmal darauf ein, zeitnah in ein drittes Tagesrennen zu starten, aber die Windverhältnisse machten nicht den Eindruck, dass noch ein Rennen möglich gewesen wäre, also wars das für den Tag. Wir waren natürlich alle sehr enttäuscht. Dazu kam noch, dass es ein langer Abend werden würde, weil wir zusehen mussten, dass Niramo für die verbleibenden Renntage in Ordnung ist.

Aber die nächsten Tage zeigten, dass wir als Crew durchaus in der Lage waren, den schlechten Start in die Regatta zu überwinden und abzuhaken. Wir nahmen uns alle zusammen, griffen die letzten beiden Tage nochmal an und versuchten das Beste aus den übrigen Rennen zu machen.

Am vorletzten Tag segelten wir einen 6. und einen 2. Platz.

Am letzten Tag segelten wir im ersten Rennen einen 2. Platz und befanden uns plötzlich in der Position, um den 2. Platz im Gesamtklassement zu kämpfen! Dann segelten wir im zweiten Tagesrennen noch einen 2. Platz und waren nicht nur zweite im Gesamtklassement, sondern führten die Wertung an! Im dritten Rennen ging es dann darum, genug Punkte Abstand zu unseren Verfolgern zu behalten. Es wurde nicht unser bestes Rennen, am Gate waren wir sogar fast letzte, aber ein starkes Come back in der zweiten Runde des Rennens brachte uns zurück auf den 6. Platz. Ob das punktmäßig reichte, um den ersten Platz zu halten?

Als wir durchs Ziel fuhren, war sich keiner von uns sicher. Daher musste das Presseboot, welches uns seit dem Zieldurchgang verfolgte, etwas auf die heiß begehrten Siegerfotos warten. Schließlich reichten sie uns eine Flasche Champagner und die „Eventwinner“ – Flagge an Bord und von da an war klar, wir hatten das Unglaubliche geschafft! Von einem Rennen mit Crash und dem letzten Platz im zweiten Rennen zum Regattasieg. Solche Geschichten schreibt nur der Segelsport. Wir hatten keines der Einzelrennen gewonnen, aber über Konstanz und Team Spirit die wenigsten Punkte gesammelt. Am Ende hat es um einen Punkt gereicht. Was für ein grandioses Gefühl!

English Version

My second event in the Clubswan 50 was the Nations Trophy, again in Palma de Mallorca. This time everything already felt much more familiar: I knew the crew, the yacht club where Niramo is moored, the procedures on board and my tasks. One thing was new though, we would be sailing with a different tactician than at the Copa del Rey.
The first day back on the island I checked the computer and all the displays and instruments so I would be as prepared as possible for our test sail the next day. Other than that, there wasn’t much to do, but I chatted with some sailors from other crews on the dock and made new contacts that would later prove to be very important. But more on that soon!
Sailing the next day was just beautiful. We had 10-12kts of seabreeze, sunshine and some waves. Since half of the crew was still at the Maxi Worlds in Porto Cervo, and would not arrive until the evening, we could not train effectively anyway, tested all systems, instruments and a few sails and otherwise just enjoyed the hours on the water. Sometimes yout just need a day like this.. 

On the first and second official training day we were only missing the tactician, but without a tactician or a dedicated decision maker it is always really difficult and chaotic to sail starts and races. So we didn’t join the training races of the others, but practiced by ourselves to accelerate the boat from slow speed to maximum speed, did a few speed tests with other boats and perfected our tacks and gybes. I also got the opportunity to collect some nice data for the True Wind calibration and was able to improve the calibration right away with my results from analyzing this data.
In the evening I had an appointment with Kerstin Zillmer from Float Magazine and we recorded a really nice podcast. Afterwards I only had a light dinner, because the next morning we would all have to get officially weighed. And after the entire crew had been weighed beforehand as a precautionary test, we were a few kilos over the maximum crew weight for the Clubswan 50. So everyone had to lose some more weight overnight.

The next morning I went for a jog. For breakfast, there was only coffee and a glass of water – and the daily weather report. For that day, not only the weigh in, but also the obligatory Covid-19 test was on the agenda. And at 12.00 we would leave the harbour to do some training beats before the Practice Race at 14.00.
I used the time until we would leave the dock to have a quick chat with Cameron, the new tactician. As a navigator, when you work with a new tactician, you should always clarify beforehand what they want to hear and how you can best support them. That’s because every tactician usually wants to hear everything a little different. Cameron’s approaches were indeed somewhat different from those of Marc. And especially as a young navigator, I was able to take away and learn a lot from this conversation.

Before the Practice Race there was an additional Practice Start, which Cameron used to get a feel for the fleet and the starting behavior of the class. The actual start of the Practice Race was a general recall because most of the fleet was over the line at the time of the start signal, but since it was still a reasonably fair start and we were „only“ sailing the Practice Race, no one from the fleet turned around. It was not a typical Palma day weather-wise. The wind was an unstable gradient with 12-16kts (and sometimes more) from the east. We had a big left shift directly on the first upwind and a course change for the first downwind and the second upwind. For me as a navigator, course changes are always a bit stressful, because I have to adjust the course in my computer aswell, and I had not yet found a really good technique for this.
Overall, we worked very well together as a crew and were able to execute Cameron’s game plan well, so that we crossed the finish line in second place.

After crossing the finish line, I surprised Cameron by telling him that I, the „young lady“ he would be working with for the week, was indeed very young for a navigator being only 21years old. Moments like that are always very reassuring for me, because then I realize that I really still have time to learn all the different skills that you have to cover as a navigator. Sometimes it seems like a mammoth task to me, you could probably fill an entire bachelor’s studies with everything you need to know as a navigator. So I am all the more grateful to have met so many open-minded professional sailors right at the beginning of my career.

The first day of racing would be tricky. Our local weatherman wasn’t even really sure himself, so we prepared ourselves for some postponement.
In fact, the wind kept shifting up to 90 degrees all day and kept dropping below 6kts (the minimum wind limit for Clubswan 50 races) occasionally, so the race committee eventually sent us back to the harbour without us attempting even a single start.

The second day of racing was a day that I don’t think any of us will forget. In the start of the first race we had a collision with another boat. Compared to the others, we got off lightly. We were lucky because Niramo was not damaged too much and the other team got a red flag for the incident. So at least we could still start the race, tough being shocked and having started way behind the fleet, we at least had a chance. Despite a half-broken sea fence on the port side of the boat, which meant we couldn’t fully hike on starbord, we managed to finish the race in 4th place. Puhhhh!

Shortly after the finish, the southwesterly wind died and shifted 90 degrees to the right. After 15-30min of waiting, a light northerly breeze established, in which we started the second race. We managed to conjure up the perfect start, except that unfortunately at the gun our gennaker pole was protruding minimally over the line and could be seen from the pin end. For the race committee to announce our bow number and give us clarity that we were indeed over, it took what felt like half an eternity and by the time we could get out from the small pack of boats around us and turn to clear, we had already lost a decent amount of meters to the boats that didn’t have to turn around. In the ever decreasing breeze we tried to make up places, but in the end we had so little wind that I didn’t even dare to call the split times to the finish, because they just didn’t decrease and this info was not necessarily motivating for the crew. At least we managed to finish the race within the time limit and prepared to start a third race of the day just in case, but the wind conditions didn’t give the impression that another race would have been possible, so that was it for the day.
We were all very disappointed, of course. On top of that, it was going to be a long evening because we had to make sure that Niramo was okay for the remaining days of racing.

But the next few days showed that we as a crew were quite capable of shaking off the bad start to the regatta. We all pulled ourselves together, attacked the last two days and tried to make the best of the remaining races.
On the second last day we sailed a 6th and a 2nd place. On the last day we sailed a 2nd place in the first race and suddenly found ourselves in position to sail for 2nd place overall! Then we secured another 2nd place in the second race of the day and were not only second overall, but leading the standings! In the third race it was all about keeping enough points distance to our chasers. It didn’t turn out to be our best race, at the gate we were even almost last, but a strong come back in the second lap of the race brought us back to 6th place. Was that enough points-wise to hold on to first place?

As we crossed the finish line, none of us were sure. So the press boat, which had been following us since we crossed the finish line, had to wait a bit for the much-wanted winner’s photos. Finally they handed us a bottle of champagne and the „event winner“ flag on board so it was clear we had done the unbelievable! From a race with a crash and the last place in the second race to winning the regatta. Such stories are only made by the sport of sailing. We had not won any of the individual races, but had collected the fewest points via consistency and team spirit. In the end it was enough by one point. What a great feeling! What a great crew to race with and what an achievement!